Arcelor
Kommentar: Alles außer Mittal

Damit dürfte der indisch- britische Selfmade-Milliardär Lakshmi Mittal nicht gerechnet haben: Buchstäblich im letzten Moment versucht ihm der russische Stahloligarch Alexej Mordaschow die schon sicher geglaubte Beute vor der Nase wegzuschnappen.

Dabei sah es ganz so aus, als habe Mittal mit seinem drastisch erhöhten Angebot zur Übernahme des Luxemburger Stahlkonzerns Arcelor bereits alle Fluchtwege verbaut. Doch nun hat sich Arcelor aus der scheinbar ausweglosen Lage befreit. Und viele Beobachter bezweifeln, dass Mittal einen erneuten Angriff startet. Eine reine Barofferte für Arcelor, die erneut für eine Wende in der seit Ende Januar tobenden Übernahmeschlacht sorgen könnte, ist wenig wahrscheinlich.

Der geplante Schulterschluss zwischen dem größten europäischen Stahlkonzern Arcelor und der russischen Nummer eins Severstal ist bei weitem nicht so schlecht, wie ein enttäuschter Lakshmi Mittal glauben machen will. Richtig ist aber auch, dass Mittal Arcelor vieles von dem geboten hätte, was Severstal nun in die luxemburgisch-russische Ehe einbringen will. Dazu zählen kostengünstige Stahlwerke in Osteuropa, reiche Erz- und Kohlevorkommen sowie ein besserer Zugang zu Wachstumsmärkten.

Deshalb drängt sich der Eindruck auf, Arcelor würde allein nach der Devise handeln: alles außer Mittal. Warum sonst hat das Management über Monate Verhandlungen mit Mittal abgelehnt, wenn man jetzt in wenigen Tage konkrete Vereinbarungen mit Severstal schließt? Und warum kommt der Deal erst jetzt?

Doch in einem wesentlichen Punkt überzeugt eine Fusion von Arcelor und Severstal: Es verbünden sich zwei Partner, die offensichtlich miteinander wollen. Feindliche Übernahmen dagegen sind hochriskant. Deshalb könnte die Operation erfolgreich verlaufen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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