Arcelor-Mittal
Nichts dazu gelernt

Wer bis jetzt geglaubt hatte, der Zusammenschluss von Arcelor und Mittal sei eine Fusion zweier gleichberechtigter Partner, den hat Lakshmi Mittal endgültig eines Besseren belehrt.

Nach nur drei Monaten tauscht der Gründer und Großaktionär von Mittal Steel den farblosen Roland Junck aus und kürt sich selbst zum Vorstandschef. Mittals Zusage, dass ein Manager von Arcelor die schwierige Integration beider Konzerne vorantreiben soll, ist damit obsolet. Mit ihm und seinem Sohn Aditya Mittal sind nun die beiden wichtigsten Vorstandsposten in der Hand der Familie.

Gewiss, die Management-Qualitäten von Laskmi Mittal sind tadellos. In nur 15 Jahren kaufte sich der aus Indien stammende Milliardär ein weltweites Stahlimperium zusammen und schmiedete daraus eine schlagkräftige Einheit. Und mit der Übernahme von Arcelor festigte Mittal seine Position als unangefochtene Nummer eins der Branche. Der neue Riese Arcelor Mittal mit Sitz in Luxemburg verdient glänzend, der Aktienkurs steigt.

Aber warum bleibt Mittal auch nach seinem Wechsel an die Vorstandsspitze Mitglied des Verwaltungsrats? Und warum schließt er nicht schon heute ausdrücklich aus, dass er einmal Chef beider Gremien wird? Zwar lässt das Luxemburger Aktienrecht eine solche Doppelrolle zu. Aber die von Mittal für sich reklamierte „vorbildliche Unternehmensführung“ – also eine klare Trennung zwischen Verwaltungsrat und Vorstand – sieht anders aus.Es scheint, als habe Mittal aus der Übernahmeschlacht nichts gelernt. Nur auf Druck der Investoren gab die Familie schließlich ihr Mehrfachstimmrecht auf, das ihr die Kontrolle auch ohne Kapitalmehrheit gesichert hätte. Ohne Not bricht Mittal jetzt einen neuen Streit vom Zaun.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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