Asean
Ein Papiertiger

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Die Tigerstaaten Südostasiens haben sich eine Charta gegeben. Ein Abkommen, das den zehn Mitgliedern der Asean Demokratie und Menschenrechte sowie einen Binnenmarkt nach Vorbild der EU bescheren soll. Alles schön und gut. Wenn da nicht der Fall Birma wäre. Die Militärjunta dieses Landes machte den trügerischen Schein gleich brutal zunichte. Auf Druck der Generäle wurde der Uno-Gesandte Ibrahim Gambari, der die Verletzung der Menschenrechte in Birma mit der Asean erörtern sollte, in letzter Minute wieder ausgeladen. Eine verpasste Chance.

Ihre Integration bleibt ein frommer Wunsch, wenn die Asean nicht in der Lage ist, politisch auf Fehlentwicklungen ihrer Mitglieder einzuwirken. Zwar tut sich die Staatengruppe damit traditionell schwer. Doch das Prinzip der Nichteinmischung bleibt auch im neuen Vertrag unangetastet. Und so haben die zehn einen allzeit gültigen Vorwand, um die Augen vor internen Missständen zu verschließen.

Solange die Asean ihre offenkundigen Spannungen nicht überwindet, solange sie so heterogen bleibt, dass sie gemeinsame Wertesysteme nicht durchsetzen kann, kommt sie weder als politische noch als wirtschaftliche Formation vom Fleck. Das Vorbild EU bleibt eine Utopie, wenn die Asean sich erlaubt, die selbst gesetzten Standards mühelos zu unterlaufen. Es hat wenig mit asiatischen Tugenden wie Toleranz und Höflichkeit zu tun, wenn das Treiben diktatorischer Generäle nicht gebrandmarkt wird und spürbare Reaktionen unterbleiben. Das ist politische Schwäche.

Selbst wo keine Ideologie im Spiel ist, tut sich die Asean schwer. Zu groß sind die wirtschaftlichen Unterschiede, als dass bis 2015 ein Binnenmarkt denkbar wäre. Dass zwei Drittel aller Asean-Initiativen nie umgesetzt worden sind, kann daher niemanden verwundern. Es bedarf nicht einmal des Falls Birma, um den alten Ruf der Asean zu festigen: Sie ist ein Papiertiger.

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