Atomprogramme
Kommentar: Anreize für Schurken

Monatelang haben sich die USA und ihre europäischen Kritiker über den Irak gestritten, für das akute Problem der atomaren Aufrüstung Irans und Nordkoreas hatte da kaum einer Zeit und Nerven.

Monatelang haben sich die USA und ihre europäischen Kritiker über den Irak gestritten, für das akute Problem der atomaren Aufrüstung Irans und Nordkoreas hatte da kaum einer Zeit und Nerven. Doch nun, da die Hardliner in Washington auf den Boden der Tatsachen zurückfallen und lernen, dass ein Regimewechsel auch seine Probleme mit sich bringt, steigen die Chancen für eine Verständigung mit den „Schurkenstaaten“.

Allen schrillen Tönen aus Pjöngjang und Teheran zum Trotz gibt es durchaus Anknüpfungspunkte. Denn Iran und selbst Nordkorea handeln nicht irrational. Ihre Provokationen dienen einem Ziel: die eigene Position in den erhofften Verhandlungen über einen Verzicht auf die Atombombe zu stärken. Pjöngjang verlangt von den USA die Garantie, nicht angegriffen zu werden, und hofft auf Wirtschaftshilfe.

In Iran ist die Lage komplizierter, die Regierung gespalten. Die konservativen Mullahs sehen den Streit als prinzipielle Machtprobe mit den verhassten USA. Und genau deshalb können sich die Reformer kein Einknicken gegenüber den Forderungen Washingtons erlauben. Dabei wären sie zur vollen Kooperation mit der Internationalen Atomenergiebehörde bereit, wenn sie denn Garantien für die Fortführung des zivilen Atomprogramms erhielten oder die USA ihnen gar den Zugang zum internationalen Energiemarkt erleichterten.

Die Europäer plädieren schon lange dafür, den Druck auf Iran und Nordkorea durch Anreize für eine Kooperation zu flankieren. Auf diesen Pragmatismus schwor auch Russlands Präsident Wladimir Putin seinen Freund George W. Bush ein. Noch haben die Falken im Pentagon dies nicht geschluckt – doch auch hier hat der US-Präsident das letzte Wort.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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