Außenpolitik
Romney reist ohne Vision nach Europa

Mitt Romney hat die Chance verpasst, vor seiner Auslandsreise sein Profil zu schärfen. In außenpolitischen Fragen bleibt der Gegenkandidat von Präsident Obama unkonkret.
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Außenpolitik ist nicht gerade Mitt Romneys Paradedisziplin. Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat sich im Wahlkampf bisher vor allem auf die wirtschaftlichen Probleme der USA konzentriert. Als ehemaliger Chef der Private-Equity-Firma Bain Capital wirkt er am überzeugendsten, wenn er über Wirtschaftsfragen spricht. Und in Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit hat das Thema bei den Wählern Priorität.

Da Romney in den nächsten Tagen auf führende Politiker in Großbritannien, Polen und Israel treffen wird, muss er sich auch als Staatsmann mit außenpolitischer Kompetenz verkaufen. Eine Grundsatzrede unmittelbar vor seinem Abflug nach London sollte das In- und Ausland auf seine Haltung zu Fragen wie Iran, Afghanistan und dem Nahost-Konflikt einstimmen.

Romney aber hat darauf verzichtet, konkrete Vorschläge zu machen. Er kommt ohne Vision nach Europa, ohne greifbare Verbesserungsvorschläge, ohne Angriffsfläche. „Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert werden“, bemüht der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts das klassische republikanische Weltbild eines starken Amerika. Es sei die Pflicht der Amerikaner, für „Freiheit, Frieden und Wohlstand“ zu sorgen.

Doch was das genau heißt und wie weit er gehen würde, um diese Ziele zu erreichen, lässt sich kaum nachvollziehen. Wenn es um nukleare Waffen für Iran geht, fordert er einen kompletten Stopp der Urananreicherung - so wie der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Doch er gibt keinen Hinweis darauf, wie er diese Forderungen als Präsident durchsetzen will.

Auch eine Strategie für den Krieg in Afghanistan bleibt er schuldig. Wie Präsident Obama hat er sich dafür ausgesprochen, die Verantwortung für die Sicherheit Ende 2014 komplett an die Afghanen abzugeben. Ob auch er die Truppen vollständig abziehen will, bleibt unklar. Selbst seine Berater haben Schwierigkeiten zu erklären, wie sich Romneys Außenpolitik von der des Präsidenten abhebt.

An immer neuen Ideen aber, um Obama zu kritisieren, hapert es nicht. Romney versucht jetzt, Obama als sturen Sparer darzustellen, der den Verteidigungshaushalt in den nächsten zehn Jahren um 500 Milliarden Dollar kürzen will. Dabei wurden diese Einschnitte nur auf Drängen seiner Partei ausgehandelt. Die Kritik ist ein Ablenkungsmanöver. Wenn Romney außenpolitische Ideen hat, wäre jetzt die Zeit, sie vorzustellen. Die Welt würde ihm zuhören.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

Kommentare zu " Außenpolitik: Romney reist ohne Vision nach Europa"

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  • Ich kann Ihnen nur zustimmen, Gott bewahre uns vor einer weiteren Amtszeit eines republikanischen Präsidenten und vor allen vor diesem. Nach Bush jr. reicht es völlig aus was die Rep's angerichtet haben und man kann nur hoffen das Obama es schafft. Ich bin gern in den USA, denn die einfachen Menschen dort sind sehr nett und können bei weitem nichts dafür was die Führung in Washington angerichtet hat. Ich denke das gerade Romney nur schlecht sein kann für die USA und die Bevölkerung, denn er wird nur an sich und die 1% denken.

  • Die Republikaner wollen es nicht nur: nein sie tun es mit jedem öffentlichen Satz: Die menschliche Zivilisation in die Steinzeit zurückführen.

  • Es ist immer leicht Visionen zu verkaufen, die zu allgmeinen Verbesserungen führen sollen.
    In einer Gesellschaft, in der Visionen aber automatisch mit Verlusten für die eine oder andere Klientel verbunden sind, ist es politischer Selbstmord solche zu verkünden.
    Besonders da dem Wahlvolk jahrzehntelang suggeriert wurde, Visionen seine kostenneutral.
    Schon die Grünen konnten ihre Visionen nicht mehr völlig straffrei als kostenfrei verkaufen, auch gegenüber Ihnen herrscht immer größerer Zweifel ob der Gewinn überhaupt die Verluste rechtfertigt, weil die Subventionitis wohl das Einzige bleiben wird, was vom Wort Öko übrig bleibt.
    visionen sind das eine, es braucht aber auch acht und Fahigkeit diese richtig umzusetzen und Kosten nicht zu vertuschen.
    Es ist also wenig verwunderlich, dass Visionen keine hohe Attraktivität mehr unter Politikern und Wahlvolk haben.
    Die letzte große Vision des gemeinschaftlichen Europa geht ja ebenfalls gerade den Bach runter. Aus den geichen Gründen. Der wähler fragt sich schon reflexartig, für wen er diesmal geschröpft werden soll.

    H.

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