AUTOVERSICHERER
Rabattschlacht

Für Autofahrer ist bereits im Herbst Weihnachten. Zur Bescherung gibt’s saftige Rabatte beim Wechsel der Autoversicherung.

Die Versicherer können es sich leisten, spendabel zu sein: Sie haben in den vergangenen zwei Jahren enorm gut verdient. Doch schon im nächsten, spätestens im übernächsten Jahr dürften sie sich über Beitragserhöhungen zurückholen, was sie den Kunden jetzt hinterherwerfen.

Allianz & Co. spielen dieses Nullsummen-Spielchen nicht zum ersten Mal. Seit 2003 kassieren sie bei den Kunden, was sie in den Jahren 1997 bis 2002 verloren haben. Damals schrieben die Versicherer sechs Jahre hintereinander Verluste, weil die Prämien zu niedrig waren. Als Reaktion erhöhten sie die Preise. Parallel dazu hat der Anstieg der Benzinpreise die Fahrfreude der Deutschen gebremst. Prompt sanken auch die Unfallzahlen. Die Folge: Seit 2003 fährt die Autoversicherung wieder Gewinne ein.

Rund 120 Versicherungsunternehmen buhlen im deutschen Markt für Kfz-Versicherungen um Beitragseinnahmen von rund 21 Mrd. Euro. Zwischen Einzahlung der Beiträge und Auszahlung von Schäden bleibt den Versicherern reichlich Zeit, das Geld an den Kapitalmärkten anzulegen. Zusammen mit den Rückstellungen aus den Vorjahren kommen die Autoversicherer auf ein stolzes Anlagevolumen von 40 bis 45 Mrd. Euro.

Daraus erwirtschaften sie selbst bei durchschnittlichen Kapitalmarktzinsen von nur drei Prozent noch mindestens ebenso viel Gewinn wie aus dem reinen Versicherungsgeschäft. Die Umsatzrendite der vergangenen beiden Jahre summiert sich so auf annähernd zehn Prozent der verdienten Beiträge. Davon können andere Branchen nur träumen.

Entsprechend drängen sie in das Geschäftsfeld hinein: nicht nur die Autohersteller, sondern auch Dienstleister. Ob es ihnen gelingt, neben ihren klassischen Produkten Policen zu verkaufen, ist offen. Dem Autohandel fällt das verständlicherweise leichter – er sitzt an der Quelle. Heute wird schon fast jede dritte Police über den Autohandel abgeschlossen.

Parallel dazu setzt sich auch der Vertrieb über das Internet durch. Nachdem große Versicherer damit begonnen haben, abgespeckte Billigpolicen darüber zu vertreiben, haben viele Wettbewerber nachgezogen. Der hausgemachte Wettbewerb drückt ebenfalls auf die Gewinnmargen. Nach den Erwartungen ihres Verbandes werden die Autoversicherer 2006 ihr Geschäft so weit runterrabattiert haben, dass sie allenfalls noch einen Cent aus jedem Beitrags-Euro verdienen.

Im kommenden Jahr, so lauten interne Schätzungen, kippe der Markt dann in die Verlustzone. Der viel zitierte Schweinezyklus feiert in der distinguierten Assekuranz fröhliche Urständ. Bei den Schätzungen des Verbandes handelt es sich allerdings nur um die Ertragssituation aus dem reinen Versicherungsgeschäft, also: Beiträge minus Schaden- und Kostenaufwand. Die zuvor erwähnten Kapitalgewinne werden von der Branche geflissentlich außer Acht gelassen. Dabei hat sich der Kapitalmarkt zu Gunsten der Versicherer entwickelt. Gab es 2005 laut Bundesbank im Schnitt nur 2,9 Prozent auf öffentliche Anleihen, so verbesserte sich die Umlaufrendite in diesem Jahr bereits auf durchschnittliche 3,6 Prozent. Das verschafft den Autoversicherern immerhin ein wenig Luft für neuerliche Rabattaktionen.

Den aktuellen Preiskampf könnten sich die meisten Versicherer also leisten, wäre da nicht das Problem, dass ausgerechnet jetzt die Schäden teurer werden. Allein aus der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent ab 2007 erwarten die Versicherer eine Verteuerung ihrer Reparaturkosten um 2,2 Prozent. Hinzu kommt die Erhöhung der Versicherungsteuer von ebenfalls 16 auf 19 Prozent der Beiträge. Rechnet man beide Erhöhungen zusammen, müssten Autofahrer nächstes Jahr eigentlich 5,2 Prozent mehr Beitrag zahlen, so die Kalkulation der Versicherer.

Die aktuelle Rabattschlacht geht jedoch genau in die Gegenrichtung. Die Vertriebsmanager setzen sich intern offenbar gegen die Mathematiker durch. Die Verkäufer wittern Morgenluft, weil eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach bei mehr als drei Millionen Autofahrern akute Wechselbereitschaft festgestellt hat.

Wohlweislich werden treue Kunden selten von ihrem Versicherer auf Rabattaktionen aufmerksam gemacht. Autofahrer sind also zur Beschwerde oder gar zum Wechsel gezwungen, um an die günstigen Tarife zu kommen. Die Wechselkosten, die diese asymmetrische Preispolitik für die gesamte Branche nach sich zieht, sind enorm. Umgekehrt gibt es weniger Asymmetrie: Haben die Versicherer genügend Geld im Kampf um Marktanteile verloren, flattern Beitragserhöhungen ins Haus – die erreichen dann auch bestehende Kunden.

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