Bahnstreik
Raus aus der Sandkiste

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Die unverhohlene Freude, mit der Deutschlands Oberlokführer Manfred Schell, der Chef der Gewerkschaft GDL, nach dem Chemnitzer Richterspruch den juristischen Freibrief für Streiks in allen Verkehrsbereichen der Bahn quittierte, lässt das Schlimmste befürchten. Die vergleichsweise kleine Facharbeiter-Truppe der Lokführer hat es jetzt in der Hand, den Schienenverkehr in Deutschland massiv lahmzulegen und für erhebliche volkswirtschaftliche Schäden zu sorgen.

Abermals hat die Gewerkschaft ein „Ultimatum“ an die Bahnführung gestellt. Sie will ein neues und besseres Angebot als das bisherige auf dem Verhandlungstisch sehen, dem sie allerdings bislang ferngeblieben ist.Es ist grotesk: Da wird in Interviews und Statements auf beiden Seiten der Ernst der Lage und die Sturheit der anderen Seite beklagt, aber überhaupt nicht miteinander geredet. Und das schon seit Monaten! Das mag in der Sandkiste im Streit ums Schäufelchen gehen. Aber dieser Tarifkonflikt gehört aus der Sandkiste heraus. Mit Tarifautonomie hat das Nicht-Verhandeln und bloße Beharken jedenfalls nicht viel zu tun.

Wie immer in einer solchen Lage werden beide Seiten nicht vermeiden können, sich einander anzunähern. Das fordert Opfer, und man sollte wohl darauf bedacht sein, dass das Gegenüber das Gesicht wahrt.So kann der Bahnvorstand auf die neuerliche Streikdrohung nicht mehr nur mit Kopfschütteln reagieren. Er sollte konkret aufzeigen, wie Lokführer von längst anvisierten neuen Entgeltstrukturen konkret profitieren könnten. Und der GDL sollte dies für ihre Mitglieder wichtiger sein als das Beharren auf einem eigenständigen Tarifvertrag. Beide Seiten sollten an eine Lebensweisheit denken: Der Klügere gibt nach.

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