Bezahlfernsehen
Zurück zum Monopol

Jürgen Klinsmann kann im sonnigen Kalifornien bei seiner Familie bleiben. Der ehemalige Bundestrainer und Fußball-Weltmeister sollte für den Bundesliga-Sender Arena bereits ab der nächsten Saison die Spitzenbegegnungen kommentieren. Doch im tristen Münchener Medienvorort Unterföhring wird der eloquente Sonnyboy nicht mehr gebraucht. Denn der Bezahlkanal Arena wird in seiner jetzigen Form womöglich schon in wenigen Wochen der Vergangenheit angehören.
  • 0

Der langjährige Platzhirisch Premiere macht Arena kurz nach dem ersten Geburtstag platt. Klinsmann kann sich freuen. Er bekommt seine Millionengage womöglich auch ohne aufreibenden TV-Einsatz. Andere hingegen verfallen in tiefe Depression. Denn das Monopol von Premiere kehrt zurück – mit dem Segen des Bundeskartellamts. Was ist geschehen? Der Arena-Mutterkonzern Unitymedia und Premiere haben eine Allianz geschlossen. Arena verkauft seine Sport-Fernsehrechte an Premiere. Im Gegenzug erhält der Kabelkonzern Unitymedia einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag und wird künftig mit fast 17 Prozent größter Einzelaktionär bei Premiere. Das Spannende: Die Kapitulation von Arena findet offenbar die Zustimmung der Wettbewerbshüter. Das Bundeskartellamt hat bereits durchblicken lassen, dass es gegen eine Verschmelzung unter bestimmten Bedingungen nichts einzuwenden hat.

Das Interesse von Unitymedia, einen Ausweg aus dem wirtschaftlichen Desaster zu finden, ist verständlich. Der Kabelkonzern, im Besitz der Finanzinvestoren BC Partners und Apollo, hatte vor eineinhalb Jahren überraschend die Live-Fernsehrechte der Bundesliga für den sagenhaften Preis von 220 Millionen Euro pro Spielzeit erworben. Doch bei derzeit nur knapp 1,1 Millionen Abonnenten kann sich der Sieg über Premiere auszahlen. Über 200 Millionen Euro an Verlusten hat der Kabelkonzern mit seinem Ausflug ins Fernsehgeschäft bereits angehäuft. Für den Markt ist die Rückkehr der Bundesliga zu Premiere ein Desaster. Sportrechtehändler erinnern sich oft mit Grauen daran, wie ihnen von Premiere-Chef Georg Kofler jahrelang die harten Bedingungen diktiert wurden. Der Südtiroler, der in Verhandlungen durchaus aus grobem Holz geschnitzt ist, hat sein Quasimonopol stets zu nutzen gewusst. Erst als der Premiere-Chef Ende 2005 im Bundesliga-Poker haushoch verlor, entwickelte sich allmählich ein fairer Wettbewerb.

Auch die Fußballklubs werden die neue Marktmacht von Premiere zu spüren bekommen. Bereits Ende des Jahres will die Deutsche Fußball-Liga die Fernsehrechte für die Spielzeiten ab 2009 ausschreiben. Doch um die Rechte im Bezahlfernsehen, der wichtigsten Einnahmequelle der Bundesligavereine, wird es vermutlich kein Wettrennen mehr geben. Denn diesmal führt an Premiere kein Weg mehr vorbei. Die neue Marktsituation wird sich auch im Portemonnaie der Fans bemerkbar machen. Als Arena vor rund einem Jahr an den Start ging, war der Preisverfall im deutschen Pay-TV eingeleitet. Für alle Fußballfreunde gab es die Spiele der ersten und zweiten Liga für weniger als 15 Euro. Das wird künftig nicht so billig sein. Die Kapitulation von Arena ist auch die Kapitulation des Wettbewerbs im Bezahl-TV. Das Kartellamt ist unter seinem neuen Präsidenten Bernhard Heitzer dabei, dem freien Wettbewerb einen Bärendienst zu erweisen. Denn sollten die Pläne von Premiere und Unitymedia umgesetzt werden, ist die Marktmacht eines Bezahlsenders auf Jahre in Beton gegossen.

„Für uns geht es darum, die tatsächlichen Märkte zu ermitteln und auf diesen Marktbeherrschung zu verhindern, damit sich die Branche dynamisch weiterentwickeln kann“, sagt Behördenchef Heitzer. Doch ehrwürdige Ziele werden an der Wirklichkeit gemessen. Genau an der Umsetzung hapert es in diesem Fall. Eine Monopolisierung des Bezahl-TVs in Deutschland mit dem Segen der Kartellwächter wäre ein einmaliger Vorgang. Wenn die Salamitaktik von Premiere diesmal funktioniert und Arena vom Markt verschwindet, knallen bei Premiere-Chef Kofler die Korken. Um die Zeche braucht sich der frühere Kirch-Manager keine Sorgen zu machen. Diese wird von Wettbewerbern, Vereinen und Fußballfreunden gemeinsam gezahlt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Bezahlfernsehen: Zurück zum Monopol"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%