BIP-Wachstum
Schöne Überraschung

Es war die Fragen aller Fragen, die Politiker, Bürger und vor allem Volkswirte im vergangenen Jahr umgetrieben hat: Wie sehr schadet die Erhöhung der Mehrwertsteuer der deutschen Wirtschaft? Nun ist er da, ein erster Anhaltspunkt – und er fällt höchst erfreulich aus.
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Die hiesige Volkswirtschaft hat die historische Steuererhöhung um drei Prozentpunkte offenbar besser weggesteckt als von der Mehrheit der Experten erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 0,5 Prozentpunkte im Quartalsvergleich zu – und wuchs damit fast doppelt so schnell wie von Experten vorhergesehen.

Dabei hat der private Konsum das Wachstum deutlich gebremst. Dass die Verbraucher auf eine nie da gewesene Steuererhöhung mit einer Kaufzurückhaltung reagieren, war absehbar und ist nun durch die erste Meldung der Bundesstatistiker heute bestätigt worden. Dass die Binnennachfrage dennoch kaum Tempo verliert, ist die eigentliche Kernbotschaft des Tages. Vor nicht allzu langer Zeit war sie noch der Hinkefuß der deutschen Wirtschaft – und nun trägt sie das Wachstum. Ein Plus von 0,5 Prozent – trotz nachlassenden privaten Konsums, trotz eines schwachen Außenbeitrags. Das muss man zwei Mal lesen.

Dabei gibt es jede Menge Gründe, warum auf den Gesichtern der Beobachter der deutschen Konjunktur Sorgenfalten erkennbar sein könnten: angefangen bei der schwächelnden US-Konjunktur, bis zu den in die Höhe geschossenen Benzinpreisen oder den nicht enden wollenden Diskussionen um Mindestlöhne. Dennoch sind sie kaum zu sehen, die Falten. Dem zurück gewonnenen Selbstbewusstsein der hiesigen Unternehmer und ihrer in Gang gekommenen Investitionstätigkeit sei Dank.

Nur eine Sorge scheint die Unternehmer derzeit umzutreiben: Der boomenden deutschen Wirtschaft gehen die Teile aus. Dies allerdings sind wahrlich erträgliche Sorgen. Sie sollten die Freude über den deutschen Aufschwung nicht schmälern. Das Land hat lange genug auf positive Konjunkturnachrichten gewartet.

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