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Ein Fünftel hat der Dax seit Jahresanfang an Wert verloren. Solche starken Verluste in so kurzer Zeit sucht man im deutschen Leitindex selbst in der großen Baisse nach der Jahrtausendwende vergeblich. Noch bemerkenswerter ist, dass ausgrechnet in den USA, dem Land des Ursprungs der Finanzkrise, die Verluste deutlich moderater ausfallen. Um sich des Rätsels Lösung zu nähern, lohnt ein Blick auf die Aktionäre im Dax. Eine Analyse.
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Ein Fünftel hat Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer seit Jahresanfang an Wert verloren. Trotz der gestrigen Rally. Solche starken Verluste in so kurzer Zeit sucht man im Deutschen Aktienindex (Dax) selbst in der großen Baisse nach der Jahrtausendwende vergeblich. Noch bemerkenswerter ist, dass im Land des Ursprungs der Immobilien- und Finanzkrise die Verluste moderater ausfallen. Amerikas Dow Jones büßte lediglich zehn Prozent ein.

Um sich des Rätsels Lösung zu nähern, lohnt ein Blick auf die Aktionäre im schwankungsanfälligen Dax. Besaßen ausländische Anleger vor zehn Jahren lediglich zehn Prozent der Anteilsscheine und vor fünf Jahren immerhin bereits ein Drittel, so befinden sich heute die 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne mit über 50 Prozent mehrheitlich in ausländischer Hand. In dem Maße wie die Unternehmen ihre oft als „Deutschland AG“ verspotteten Verflechtungen auflösten, sprangen Ausländer in die Bresche – und keineswegs deutsche Anleger. Ihr Anteil im Dax verringert sich seit Jahren dramatisch.

Dankbare Abnehmer deutscher Aktien waren in erster Linie milliardenschwere Pensions- und Investmentfonds aus den USA. Sie erkannten frühzeitig, welches Umstrukturierungspotenzial in den einst renditearmen deutschen Konzernen steckte und immer noch steckt. Dass Regierungspolitiker zumindest zeitweise den Markt mit unternehmensfreundlichen Reformen positiv flankierten und obendrein geringe Lohnzuwächse deutsche Produkte wettbewerbsfähiger machten, begünstigte das Interesse im Ausland zusätzlich.

Vor allem aber honorierten Ausländer den hohen Anteil klassischer Industriefirmen im Dax. Siemens, MAN, Continental und Co. profitierten lange Zeit ganz außergewöhnlich vom investitionsgetriebenen Aufschwung der Weltwirtschaft und der hohen Nachfrage aus Fernost, den Ölländern und Osteuropa. Wer sich im Dax engagierte, bewies ein goldenes Händchen. Denn zwischen 2003 und 2007 verdreifachten die Anteilsscheine ihren Wert. Das ist deutlich mehr, als Pendants in Europa und an der Wall Street schafften.

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