Börsen
Kommentar: Wackliges Fundament

Gewinne von 60 Prozent im Deutschen Aktienindex in nur fünf Monaten stellen sogar jene der Vergleichszeiträume in der Boomphase bis zum Jahr 2000 in den Schatten. Dabei wird die Liste an Schönheitsfehlern immer länger.

Hoffnungen und vage Belege für einen Konjunkturaufschwung in den USA treiben die Börsen weltweit auf Jahreshöchststände. Gewinne von 60 Prozent im Deutschen Aktienindex in nur fünf Monaten stellen sogar jene der Vergleichszeiträume in der Boomphase bis zum Jahr 2000 in den Schatten. Dabei wird die Liste an Schönheitsfehlern immer länger: War es zuerst die rasende Geschwindigkeit, mit der die Kurse nach oben kletterten, so sind es jetzt geringe Umsätze, eine schlechte Marktbreite – nur wenige Aktien-Schwergewichte treiben die Indizes nach oben – und eine hohe Spekulationsbereitschaft. Viele Investoren springen auf den Börsenzug, ohne langfristige Investments im Auge zu haben. Vielmehr geht es um den schnellen Euro oder Dollar, der bei der Rally zu gewinnen ist.

Die größte Gefahr für die Aktienmärkte sind aber die USA: Erholt sich die Wirtschaft nicht rasch und kräftig, wie jetzt erwartet, schmelzen die Kursgewinne genauso schnell zusammen, wie sie entstanden sind. Zu groß wären die Enttäuschung und vor allem die Sorge, dass die Konjunktur in allen anderen großen Wirtschaftsnationen ebenfalls nicht anspringt. Dabei ist nicht die Erholung in den USA an sich die große Unbekannte, sondern die Nachhaltigkeit. Bislang beruht ein Großteil des amerikanischen Aufschwungs auf Rüstungsausgaben des Staates in Folge des Irak-Krieges.

Doch erst wenn die Umsätze auf breiter Front bei den Unternehmen anziehen, deren Investitionen zulegen und die Zahl der Arbeitslosen zurückgeht, steht der Aufschwung auf solidem Fundament. Das ist bislang viel zu wenig zu erkennen. Weil die Börse aber weniger auf harte Fakten, sondern mehr auf Hoffnungen, Spekulationen und Ängste reagiert, steigen die Kurse vorerst munter weiter.

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