Borussia Dortmund
Kommentar: Watzke ist kein zweiter „Dr. Gott“

BVB-Geschäftsführer Hans Joachim Watzke ist der Held der schwarz-gelben Stunde. Er saniert den BVB scheinbar im Alleingang. Seine Maßnahmen werden positiv bewertet. Nach dem Fall von „Dr. Gott“ Niebaum heften sich die BVB-Mitglieder schon wieder an den Mantelzipfel eines einzigen Mannes, sagen Kritiker. Und das bevor abzusehen ist, ob Watzkes Weg den BVB wirklich zur Rettung führt. Doch der BVB macht denselben Fehler nur einmal.

Die Kanzlerpose: Mit der Faust der linken von der rechten Hand umschlossen Richtung Hallendecke gerichtet antwortete Hans-Joachim Watzke auf die stehenden Ovationen der BVB-Mitglieder. Mit derselben Haltung hatte im Wahlkampf auch Gerhard Schröder den SPD-Anhängern geantwortet. Schröder verlor die Wahl, hatte also zu früh gejubelt. Und auch Watzke hat den BVB noch längst nicht gerettet.

Doch genau dieses Wort „gerettet“ hat man auch den Aktionäre und Mitgliedern des BVB auf den beiden Hauptversammlungen dieser Tage allzu oft gehört. Watzke hat sich auf dünnem Eis ruckartig bewegt, indem er Optimismus gestreut und Euphorie geerntet hat. Das ist gefährlich, denn die Risiken sind immer noch groß. Wirtschaftlich und sportlich. Nicht zuletzt fanden auch die Vertreter der Schutzgemeinschaften warnende Worte.

Allerdings hat Hans-Joachim Watzke schlichtweg Erfolg: Durch seine engagierte Art konnte er Banken und Gläubiger von seinem Sanierungsplan überzeugen. Großaktionär Florian Homm bescheinigt ihm, einen „hervorragenden Job“ zu machen. Auch haben ihm die Fans selbst harte Einschnitte wie die Umbenennung des Westfalenstadions nicht übel genommen, im Gegenteil. Nicht zuletzt hat Watzke auch den Beifall der Mitglieder und Aktionäre auch aus moralischen Gründen verdient. Immerhin hat er fünf Monate lang ohne Gehalt gearbeitet und auch die Führung seiner eigenen Firma zurück gestellt. Außerdem hat er seine 4 500 BVB-Aktien nicht verkauft, obwohl er auch knapp 40 000 Euro durch sie verloren hat.

Der größte Verdienst des letzten Jahres ist aber, dass Borussia Dortmund kein One-Man-Show mehr ist. Der Verein und die KGaA werden von zwei Freunden geführt, die sich aber nicht in den Bereich des anderen einmischen. Reinhard Rauball ist eine Institution beim BVB, auf dessen Wohlwollen Watzke nicht verzichten kann, selbst wenn er wollte. Außerdem betont Watzke bei jeder Gelegenheit die Bedeutung seines Sanierungshelfers Thomas Treß, den er selbst für den Posten des zweiten Geschäftsführers vorgeschlagen hat. Man darf Hans Joachim Watzke also als echten Teamplayer bezeichnen, so wie es sich für einen ehemaligen Fußballer gehört. Auch, wenn er gern der Kapitän ist.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
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