Buchhandel
Geld und Geist

So etwas wünscht sich jeder, der gerne liest: eine kleine, kuschelige Buchhandlung um die Ecke, mit freundlicher Beratung, ausgewähltem Sortiment und ab und zu einer interessanten Lesung.

Keine Frage, solche Läden gibt es. Aber immer seltener, denn davon kann kaum noch ein Buchhändler leben. Stattdessen entstehen in den Einkaufszentren und Fußgängerzonen der Innenstädte ganz neue Buchhandlungen. Einerseits sind dies Geschäfte, die auf wenig Raum eine kleine Auswahl sehr günstiger Bücher anbieten. Andererseits sind es regelrechte Medienkaufhäuser, die für jeden Geschmack das passende Angebot im Regal haben. Und dann ist da noch das Internet, wo es ohnehin alles gibt – und das rund um die Uhr.

In diesem wettbewerbsintensiven Umfeld können immer weniger lokale Buchhandlungen mithalten. Sie können sich weder einen aufwendigen Internetversand leisten noch hohe Mieten für attraktive Standorte zahlen. Selbst Hugendubel, bislang die Nummer zwei im deutschen Buchhandel, ist dafür eine Nummer zu klein. Deshalb ist es nicht überraschend, dass die Münchener sich nun mit ihrem langjährigen Partner Weltbild zusammentun und ihre Filialen in einem Gemeinschaftsunternehmen bündeln. Denn nur gemeinsam haben sie die Kraft, dem bisherigen Marktführer Thalia die Stirn zu bieten.

Sicher, es ist traurig, dass künftig in deutschen Innenstädten überall mehr oder weniger die gleichen Buchhandelsketten zu finden sind. Doch auch für das Kulturgut Buch gilt: Die Kunden stimmen mit dem Geldbeutel ab. So wie sie allerorten in die immer gleichen H&M-Filialen strömen, so drängen sie auch in die großen Buchhandlungen. Noch mehr als heute werden die kleinen Quartierbuchhändler künftig ums Überleben kämpfen müssen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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