Bundesbank
Analyse: Aufwachen

Die Deutsche Bundesbank befindet sich auf einer abschüssigen Strecke. Der Skandal um Ex-Bundesbankpräsident Ernst Welteke hat ihr Image in der Öffentlichkeit ramponiert. Jetzt wird es durch die Immobilien-Affäre weiter beschädigt. In beiden Fällen hat die Bundesbank ihren Ansehensverlust selbst beschleunigt. Wer Informationen erst herausgibt, wenn er vor vollendete Tatsachen gestellt wird, wirkt unglaubwürdig.

Es ist auch wenig überzeugend, wenn das ordnungspolitische Gewissen der Nation die Vergünstigungen, die seine Bediensteten ein halbes Jahrhundert lang genossen haben, damit rechtfertigt, dass das im öffentlichen Dienst so üblich gewesen sei. Das mag Politiker und Beamte davon abhalten, strengere Kontrollen für die Bundesbank zu fordern, weil sie in diesem System selbst Begünstigte sind. Das arbeitende Volk aber reibt sich die Augen ob der Großzügigkeit, die es ungefragt finanzieren durfte. Das einst blinde Vertrauen der Bevölkerung darin, dass bei der Bundesbank alles mit rechten Dingen zugehe, ist erschüttert.

Vor diesem Hintergrund müsste es für den Bundes- bank-Vorstand außer Frage stehen, dass er sich völlig klare und transparente Verhaltensregeln gibt, die mit alten Privilegien brechen. Es scheint aber, als ob einzelne Mitglieder des Vorstands die Zeichen der Zeit einfach nicht erkennen. Sie würden sonst nicht daran festhalten, alleine bestimmen zu wollen, was für sie „angemessen“ ist.

Die Bundesbank ist die Institution, die in Deutschland die europäische Geldpolitik vertritt, auch wenn nur ihr Präsident im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) vertreten ist. Weil Geld und Geldpolitik eine Sache des Vertrauens sind, muss die Bundesbank darum kämpfen, das verloren gegangene Ansehen zurückzugewinnen. Das muss der gesamte Vorstand nach außen verkörpern.

Neue Beschädigungen sind konsequent auszuschließen, denn einen weiteren Skandal würde die Bundesbank nur schwer verkraften. Schon jetzt wird ihre ordnungspolitische Rolle in Frage gestellt – zur Freude der Politik.

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