CDU
Merkels Wertewandel

Während sich SPD und CSU in spektakulären Führungskrisen verstricken, wirkt die Dritte im Bunde der künftigen Regierungsparteien relativ standfest. Sieben Jahre nach dem Ende der Ära Kohl hat die CDU ihre Irrungen und Wirrungen überwunden.

Die Christdemokraten streben festen Schrittes zurück an die Macht. Während Franz Müntefering stürzte und Edmund Stoiber strauchelt, sitzt Angela Merkel sicher im Sattel. Trotz heftiger Kritik an ihrem miserablen Abschneiden bei der Wahl, ungeachtet mancher Mäkeleien an den bislang mageren Ergebnissen für die CDU bei den Koalitionsverhandlungen scheint die Autorität der Vorsitzenden in ihrer Partei kontinuierlich zu wachsen.

Abseits vom Berliner Theaterdonner hat sich eine tiefgreifende Veränderung in der CDU vollzogen: Die Protestantin aus Brandenburg drückt der rheinisch-katholisch geprägten Partei langsam, aber sicher ihren Stempel auf – mit weitreichenden Folgen: Angela Merkel bedeutet einen Wertewandel für die CDU, und zwar schon allein kraft ihrer Person: als Frau, als Protestantin, als Großstädterin, als Ostdeutsche, als Naturwissenschaftlerin.

Unter Helmut Kohl hatte die CDU allzu lange an dem Kinder-Küche-Kirche-Klischee der Hausfrau und Mutter festgehalten und sich damit von der realen gesellschaftlichen Situation vieler Frauen abgekoppelt. Deshalb wanderte der weibliche Teil des Wahlvolks peu à peu zu den Grünen und zur SPD ab. Als erfolgreiche berufstätige Frau trägt Angela Merkel maßgeblich dazu bei, das überholte Familienbild ihrer Partei zu modernisieren. Erst unter ihr hat die CDU die berufstätige Frau entdeckt, erst jetzt gibt die Partei modernen Familienpolitikerinnen wie Ursula von der Leyen eine Chance.

Als Protestantin verkörpert Angela Merkel eine entschiedene Absage an den weit verbreiteten Hedonismus in unserer Gesellschaft. Die Völlerei eines Helmut Kohl und die Rotwein-Sausen eines Gerhard Schröder sind der Pfefferminzteetrinkerin fremd. Nur wer im irdischen Dasein seine Pflicht gewissenhaft erfüllt, kann im Jenseits auf Belohnung hoffen. Dieses Grundprinzip des protestantischen Glaubens blitzt bei der offenkundig leidensfähigen Angela Merkel immer wieder durch. Damit wirken die CDU und ihre Chefin zwar spröde und ein wenig freudlos. Andererseits leben die Vorsitzende und ihre Partei damit aber Fleiß, Disziplin und Leistungsbereitschaft als positive Werte vor. Die lange verlachten Tugenden dürften in Zeiten wirtschaftlicher Krisen wieder an Bedeutung gewinnen.

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