Chemie
Keine Patentlösung

Akzo Nobel steht vor einem neuen Kapitel: Mit dem Verkauf des gesamten Pharmageschäfts an den US-Wettbewerber Schering-Plough kann sich der niederländische Konzern voll auf die Chemie konzentrieren und erhält obendrein das nötige Geld für Zukäufe. Damit schließt sich in der Branche auch ein Stück Industriegeschichte. Denn Akzo gehörte neben Altana und Merck Darmstadt zu den letzten Mohikanern, die sich der Aufspaltung von Pharma und Chemie widersetzten. Die meisten Wettbewerber wie Hoechst oder BASF vollzogen diesen Schritt schon vor Jahren. Zuletzt gaben sich zumindest zwei der drei Freunde der Diversifizierung geschlagen. Erst erkannte Altana, dass es kaum noch möglich ist, zweigleisig zu fahren. Angesichts des absehbaren Patentablaufs des umsatzstärksten Medikaments ließ sich die kostspielige Entwicklung nicht vorantreiben, ohne die Chemie zu vernachlässigen.

Bei Akzo stellte sich die Situation ähnlich dar. Das Ende vom Lied ist bekannt: Altana versilberte das Pharmageschäft an den Wettbewerber Nycomed, um das Chemiegeschäft auszubauen. Akzo legte gestern die halbgare Lösung eines Teilverkaufs über die Börse ad acta und kann nun mit den Pharma-Milliarden in der Chemiebranche auf Einkaufstour gehen. Und Merck? Die Darmstädter stellen die berühmte Ausnahme dar, die die Regel bestätigt. Anders als jene der beiden Konkurrenten muss sich die Chemiesparte von Merck international nicht mit den hinteren Rängen zufrieden geben. Als führender Hersteller von Flüssigkristallen fährt sie auch ohne Zukäufe hohe Gewinne ein. Und diese will Merck für neue Pharmapatente verwenden. Das Thema Aufspaltung wird in Darmstadt voraussichtlich erst dann aktuell, wenn eine neue Technologie Flüssigkristalle ablöst.

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