China
Gefährliche Schlamperei

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Einstürzende Neubauten, bleihaltige Spielzeuge, verkehrsunsichere Autos: die Meldungen über Produktmängel in der chinesischen Wirtschaft häufen sich. Überall hapert es an einer funktionierenden Qualitätssicherung. Wenn die chinesischen Aufsichtsbehörden jetzt nicht entschieden gegensteuern, steht womöglich der wirtschaftliche Erfolg der Volksrepublik auf dem Spiel. Denn Investoren und Auftraggeber wie Mattel, die für einen Großteil der Exporte zeichnen, reagieren, wenn ihr Ruf durch Schlampereien in der chinesischen Fertigung auf dem Spiel steht. Die Produktion von Billigware kann schnell verlagert werden. Länder wie Vietnam oder Bangladesch warten nur darauf.

China hat ein kritisches Stadium erreicht. Allmählich macht sich im Billiglohn-Paradies ein zunehmender Kostendruck bemerkbar. Diesen aber durch unzureichende Kontrollen oder mangelhafte Materialien wettmachen zu wollen führt in die Irre. Denn gottlob sind die Aufseher bei den Abnehmern in den USA und der EU auf der Hut.

Wie kein anderes Land profitiert China von der Globalisierung. Und zwar nicht nur als Spielzeug-Lieferant. Auch als eigenständiger Produzent, häufig mit abgekupfertem Know-how, drängt das Land auf die Weltmärkte. Aber die rasche Expansion fordert einen immer höheren Tribut: Die Infrastruktur hält nicht stand, die Umwelt wird verpestet, die Arbeitnehmer nehmen kaum Teil am Aufschwung.

All das kann zu einer unheilvollen Mischung werden, unter der das Image Chinas arg litte. Auf Peking und die Provinzen kommen daher neue Pflichten zu. Sie müssen nicht nur dafür sorgen, dass ihr Land, das sich zu einem technologischen Spitzenreiter mausern will, auch haltbare Waren produziert. Sie müssen auch zusehen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Prestigeprojekte wie Olympia 2008 sind nicht der Alltag. Der zeigt sich in den Sweatshops.

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