China
Gesundes Misstrauen

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Ist es nur Taktik, um das gefährliche Feuer der weltweiten Proteste wegen Chinas Tibet-Politik rechtzeitig vor den Olympischen Spielen auszutreten? Oder steckt mehr hinter dem Angebot Pekings, Gespräche mit Vertretern des Dalai Lama aufzunehmen? Vor scharfen Angriffen gegen das Oberhaupt der Tibeter schrecken Chinas Medien jedenfalls auch nach dem überraschenden Gesprächangebot nicht zurück. Das lässt aufhorchen. Es ist gut möglich, dass Peking nur eine clevere PR-Aktion inszeniert hat, um den politischen Flächenbrand, der nach den Unruhen in Tibet ausgebrochen war, wieder eindämmen zu können.

Dieses Ziel hat China vorerst erreicht. Die internationalen Reaktionen auf den angeblichen Sinneswandel Pekings sind voll des Lobes. Allerdings sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben. Noch ist keineswegs sicher, ob China tatsächlich ernsthafte Gespräche mit den Exil-Tibetern aufnehmen wird. Und ob sie zu mehr Autonomie für die Menschen des Hochlands führen, vermag erst recht niemand einzuschätzen. Frühestens nach den Olympischen Spielen wird sich zeigen, ob es einen Wandel im Umgang mit Tibet gibt. Gesprächsfäden wurden schon mehrfach geknüpft. An der Lage der Tibeter hat sich nichts geändert.

So spricht einiges dafür, dass China die weltweiten Proteste erst einmal zu heiß geworden sind. Peking musste befürchten, dass der Unmut bis in die olympischen Wettkampfstätten getragen wird. Und das hätte verheerende Folgen für das Image der Führung in der eigenen Bevölkerung haben können. Schließlich sollen die chinesischen Spiele ein Bild von Stärke und Harmonie vermitteln. Es gibt daher nur ein Mittel, um Fortschritte in Tibet zu erreichen: Der internationale Druck muss aufrechterhalten werden, denn die Gemüter nur zu beruhigen reicht nicht aus. Und ein gesundes Misstrauen gegenüber China hat noch nie geschadet.

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