Comcast und Disney
Rückkehr der Pokerspieler

Die Zeit der Mikado-Spieler ist vorbei. Nur nicht wackeln und hoffen, dass der Sturm vorüberzieht, das war für viele Vorstände in Zeiten des Börsencrashs und des Terrorschocks die Devise. Wer sich zuerst bewegt, verliert. Nun kehrt die Zeit der Pokerspieler zurück.

Die Zeit der Mikado-Spieler ist vorbei. Nur nicht wackeln und hoffen, dass der Sturm vorüberzieht, das war für viele Vorstände in Zeiten des Börsencrashs und des Terrorschocks die Devise. Wer sich zuerst bewegt, verliert. Nun kehrt die Zeit der Pokerspieler zurück. Alles auf eine Karte, lautet ihr Motto. Der Kampf um Aventis geht gerade erst so richtig los, da attackiert Comcast den Unterhaltungsriesen Disney. Zwei Deals im Wert von jeweils etwa 50 Milliarden Euro, und es werden nicht die letzten bleiben.

Die industrielle Logik hinter beiden Übernahmeversuchen hat vor zwei oder drei Jahren ebenso bestanden wie heute. Doch jetzt wagen sich die Angreifer aus der Deckung. Was hat sich geändert? Vor allem die Psychologie. Die Fusionswelle der neunziger Jahre hatte bei vielen der aktivsten Konzerne riesige Schuldenberge und existenzbedrohenden Wertberichtigungsbedarf hinterlassen. Das stand jahrelang im Mittelpunkt aller Analysen – nicht zu Unrecht, denn viele Fusionen vernichteten Firmenwert, statt ihn zu steigern. Doch nun sind die meisten Trümmer weggeräumt, und die Märkte blicken wieder auf die Chancen.

Und die sind zweifellos vorhanden: In jeder großen Branche gibt es einige Spieler, die von der Krise geschwächt sind und denen jetzt im Aufschwung das Geld für Investitionen fehlt. Kaufgelegenheiten sind da, und die Aktie als Kaufwährung ist wieder salonfähig geworden. Gleichzeitig reißt die Globalisierung nationale Schutzzäune nieder und erhöht den Druck zur Konsolidierung, erst national, dann kontinental, dann international.

Die zweite Halbzeit des Endspiels um die globalen Märkte hat also begonnen. Je reifer ein Markt ist, desto stärker ist der Druck, durch schiere Größe Kostenvorteile und damit höhere Gewinne zu erlangen. Zum Beispiel Pharma: Hier hat es zwar schon viele, auch transatlantische Fusionen gegeben, doch eine weitere Welle wird folgen. Zum Beispiel Banken: In den USA rollt die Konsolidierung, in Europa muss sie erst in Gang kommen. In jeder Branche werden sich früher oder später wenige globale Sieger herauskristallisieren. Nationale Champions werden dann schnell zu internationalen Nachzüglern. Nischen wird es immer geben, doch das Mittelmaß stirbt.

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