Der Fall Schavan
Parteifreunde, haltet Euch raus!

So oder so - der Fall schadet der Union. Deshalb kann man den Parteifreunden der Bildungsministerin nur raten: Sie müssen sich zurückhalten, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Ein Kommentar.
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BerlinNun ist das universitäre Plagiats-Verfahren gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan also offiziell eröffnet. Das heißt noch lange nicht, dass sie deshalb zurücktreten muss. Wie in jedem anderen Verfahren gilt: Das geneigte Publikum hat das Urteil abzuwarten.
Falls sie jedoch ihren Titel verliert, muss sie zurücktreten. Eine Wissenschaftsministerin, die bei ihrer Doktorarbeit auch nur massiv geschlampt hat, kann nicht bleiben, egal wie lange das her ist. Es wäre ein nicht wieder gut zu machendes Signal an die zwei Millionen Studenten in unserem Land.
Allein die Eröffnung des Verfahrens ist allerdings noch kein Hinweis darauf, dass Schavan am Ende den Doktortitel verliert. Gerade weil vorab durchgesickert war, dass der Vorprüfer ihr eine bewusste, aktive Täuschungsabsicht unterstellt, musste das Verfahren eröffnet werden. Anderenfalls wäre der Eindruck entstanden, die Fakultät sei zu feige, weil es um eine Ministerin geht.
Rein rechtlich ist der Uni bisher auch nichts vorzuwerfen - von der Schlamperei mit dem öffentlich gewordenen Vorab-Gutachten mal abgesehen. Auch ob sie einen externen Zweitgutachter hinzuzieht, wie es die Wissenschaftsorganisationen fordern, bleibt ihr überlassen. Sie kann sich auch darauf berufen, dass die 15 Mitglieder des Fakultätsrats ausreichen.

Die Positionierung der großen Wissenschaftsorganisationen pro Schavan hat ohnehin ein „Gschmäckle“, wie man in ihrer Wahlheimat Schwaben sagen würde. Denn in der Vergangenheit haben sich die Mächtigen der Zunft sich nicht dafür eingesetzt, die Verfahrensregeln an den Unis zu vereinheitlichen, sondern immer deren Autonomie verteidigt. Ausgerechnet jetzt damit zu kommen, wo die Ministerin - von der alle diese Organisationen finanziell maßgeblich abhängen - ist wenig überzeugend. Das gilt auch für einzelne führende Wissenschaftsmanager, die sich - offenbar von Schavan selbst mit den Unterlagen versorgt - schon vorab für sie verwandt haben.

In der Sache selbst ist offensichtlich, dass es hier nicht um einen groß angelegten Betrug a la Guttenberg geht. Es geht um Schlamperei, es geht um die Verwendung von Sekundärliteratur, ohne dies überall sauber kenntlich zu machen. So sollte offensichtlich der Eindruck erweckt werden, die Autorin habe sich intensiver mit den zahlreichen Originalwerken befasst als tatsächlich der Fall war. Dabei ist es auch keine Entschuldigung, dass es sich um eine Arbeit handelt, die einen Überblick über die Literatur schaffen soll. Ob es allerdings ausreicht, den Titel anzuerkennen, oder ob damit an eine Ministerin im Nachhinein strengere Maßstäbe als an Hunderte einfacher Doktoranden angelegt werden - genau das muss die Fakultät entscheiden.
Politisch kann man den Parteifreunden Schavans nur raten: raushalten, bis das Verfahren abgeschlossen ist. Das gilt natürlich spiegelbildlich auch für ihre politischen Gegner.
Natürlich schadet der Fall Schavan der Union politisch. Wenn der Plagiats-Streit allerdings das einzige Problem der Kanzlerin und CDU-Chefin wäre, hätte sie gut lachen. Die Demokratie und die Union kann ein paar Wochen Abwarten gut aushalten.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Der Fall Schavan: Parteifreunde, haltet Euch raus!"

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  • Aaah, interessant... Wenn man die grünsozialistischen Heilsträume infragestellt, ist man antidemokratisch eingestellt... :-)

  • Ergänzung:

    Natürlich werben andere Personen auch mit dem Titel.

    Politiker hingegen - zumal in der Regierung - bewegen gewaltige Geldmengen, "machen" Gesetze und beeinflussen das Leben von 82 Millionen Menschen, die mit den Resultaten zu leben haben.

    Deshalb müssen diese Poltiker in der Demokratie über die "wesentlichen" Zweifel erhaben sein.



  • Bei Politikern sind höhere Maßstäbe anzusetzen als bei anderen Personen.

    Warum ?

    Sie W E R B E N mit diesem Titel, er muss auf jedes Wahlplakat.

    Und die höchsten Maßstäbe sind bei einer Bundesministerin anzusetzen, die für Bildung und Forschung zuständig ist.

    Wie kann es denn anders sein ?

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