Deutsche Bank
Konsequenz zahlt sich aus

Josef Ackermann hält seine unbeirrt von Finanzkrisen und guten Ratschlägen auf Kurs.
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Konsequenz und eine gute Portion Mut haben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann trotz Finanzmarktkrise 2007 ein Rekordergebnis beschert. Während die bis vor kurzem noch gefeierten Konkurrenten wie UBS und Citigroup Milliardenabschreibungen vornehmen und neues Kapital aus Fernost einwerben mussten, hat sich der deutsche Branchenprimus glänzend geschlagen. Ackermanns Abschreibungen sind überschaubar, und sein Renditeversprechen hat er trotz Krise gehalten. Zu seinem 60. Geburtstag hatte er gestern also allen Grund zu feiern.

Konsequenz haben Ackermann und sein Führungsteam bewiesen, als sie vor mehr als zwölf Monaten auf die Warnungen ihres Kreditexperten Eugene Xu hörten. Dieser warnte – als es noch kaum jemand wahrhaben wollte – vor einer Krise am US-Hypothekenmarkt. Die Bank fuhr die entsprechenden Positionen in Handelsbüchern herunter, während andere Institute noch auf der renditeträchtigen Welle surften und mit risikoreichen Verbriefungen zweitklassiger Kredite in den USA Profite machten. Auch 2008 bleibt Ackermann mutig, wenn er trotz weiterhin schwacher Märkte an seinem Vorsteuerziel von 8,4 Milliarden Euro für dieses Jahr festhält. Nur halb im Scherz kommentierte er dies mit den Worten: „Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, ist es falsch, den Kopf sinken zu lassen.“

Er hält stringent an seinem Mantra fest, dass die Kombination aus starkem Investment-Banking und dem Ausbau des Privat- und Firmenkundengeschäfts langfristiges Wachstum bringt. Dabei nimmt er in Kauf, dass er in Boomzeiten der Hasenfüßigkeit und in Krisenzeiten des Zweckoptimismus geziehen wird. Und er verknüpft seine eigene Zukunft mit dem Erfolg seiner Strategie: Ja, er bleibe bis zum Ende seines Vertrages 2010, wenn nicht Schlimmes passiere und die Bank rote Zahlen schreibe, sagte er auf die Frage nach seinen persönlichen Plänen.

Sicher: Er muss auch im Tal der Tränen den Beweis noch antreten, dass seine Strategie stimmt. Wichtig ist vor allem, dass es dem Investment-Banking als Kernbereich der Bank gelingt, neue Erlösquellen aufzutun – viele der bisherigen Geschäfte sind mit der Finanzkrise sehr schwierig geworden.

Die Erfolgsbilanz gibt Ackermann gute Karten im Poker um die vor dem Verkauf stehende Postbank. Er hat gezeigt, dass seine Bank und seine Strategie auch in der Krise funktionieren. In Zeiten kollabierender öffentlich-rechtlicher Banken und eines drastischen Imageverlusts der Top-Banker kann er damit auch die Politiker, die mitreden beim Postbank-Verkauf, beeindrucken. Der zweite große Kaufinteressent, die Commerzbank, muss nun mit seiner Bilanz 2007 in der nächsten Woche nachlegen, will er nicht abgehängt werden.

Auch jenseits der deutschen Grenzen muss Ackermann die Gunst der Stunde nutzen. Die eigene Stärke und die Schwäche der Konkurrenten bieten Chancen, in den Märkten der Zukunft, vor allem in Asien, zum Zuge zu kommen. Die Deutsche Bank hat schon damit begonnen, in Indien eine gute Position aufzubauen. Auch hier gilt die Devise: Konsequent weitergehen. Denn anders als der stagnierende Heimatmarkt bieten die Schwellenländern Wachstum und hohe Renditen.

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