Deutsche Bank
Verstolperter Neustart

Die Bafin macht dem neuen Führungsduo an der Spitze der Deutschen Bank einen Strich durch die Rechnung. Offenbar weiß der designierte Bankvorstand nicht wie deutsche Kontrolleure ticken. Ein Kommentar
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Kein Zweifel: Dieser Start ist verstolpert. Das Duo aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen hat die Machtübernahme bei der Deutschen Bank organisiert, bevor der alte Vorstand um Josef Ackermann abgetreten ist. Doch die Übernahme, die wie ein Aufbruch zu neuen Ufern wirken sollte, fällt ins Wasser. Die beiden haben bereits bei ihrem ersten Schritt so viel falsch gemacht, dass von einem Neuanfang keine Rede sein kann: Aus der Bank wurden sämtliche Spitzenpersonalien gestreut, noch bevor die Aufsichtsbehörden informiert waren. Prompt haben die Kontrolleure der Bafin zur wichtigsten Personalentscheidung des Führungsduos, nämlich zum neuen Risikovorstand William Broeksmit, „Nein“ gesagt. Das ist ein Zeichen dafür, wie schlecht die neue Truppe an der Spitze der Bank ihre Entscheidung vorbereitet hatte.

Sie hätte es besser machen können, wenn sie auf deutsche Gegebenheiten Rücksicht genommen hätte: Die Bafin ist eine Behörde, die sich eng mit dem Finanzministerium abstimmt. Die neue Bafin-Chefin Elke König hat ihre Ernennungsurkunde von Finanzminister Wolfgang Schäuble erhalten. Die Politik hatte sich mit deutlicher Kritik zu den ersten Personalentscheidungen von Jain und Fitschen zu Wort gemeldet. Dass die Kontrolleure dem Führungsduo nun einen Strich durch die Rechnung machen, ist also kein Wunder.

„Mangelnde Führungserfahrung“ attestieren sie ausgerechnet Broeksmit, der in seiner Position als Risikovorstand in eine Schlüsselfunktion bei der Deutschen Bank aufrücken sollte. Noch stärker dürfte aber der Eindruck wiegen, dass der neue Mann aus dem engsten Umfeld von Anshu Jain stammte, wo in den vergangenen Jahren nicht nur das meiste Geld verdient, sondern auch das meiste Geld vernichtet wurde. Jain bekommt einen Erregungszustand, wenn er das Risiko wittert. Die deutschen Kontrolleure dagegen sind so gestrickt, dass sie es mit der Angst zu tun bekommen, wenn sie das Wort Risiko nur hören. Darin liegt der wahre Konflikt zwischen der neuen Truppe an der Spitze der Bank und denjenigen, die sie in Deutschland beaufsichtigen.

Soll aus dem verstolperten Start irgendwann doch noch eine neue Ära werden, müssen Jain und Fitschen auf das Umfeld, in dem sie sich ab jetzt bewegen, mehr Rücksicht nehmen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Deutsche Bank: Verstolperter Neustart"

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  • Wer die gesamte Führung einer der größten BAnken in Europa derart zerschlägt, muss sich nicht wundern, dass der Gegenwind kalt und scharf wird.

    Die neue Führungsriege ist von der pole position auf den letzten Startplatz katapultiert worden

    Endlich zeigt die Bafin mal Rückgrad.

  • Man muss es eben können. Die Führung einer Bank stellt etwas höhere fachliche und personelle Anforderungen an die betreffende Person. Hier hat jemand bewiesen, dass er das offenbar noch nicht so ganz verstanden hat.

  • ja, es geht doch, aufgeklärten journalismus zu betreiben. klar die verhältnisse darzustellen und die interessen- und anderen konflikte beim namen zu nennen. prima.

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