Deutschen Bahn
Ohrfeige für Mehdorn

Es hatte sich seit einiger Zeit abgezeichnet: Die Politik mag dem ungeduldig drängelnden Bahnchef Hartmut Mehdorn nicht mehr auf seinem Weg folgen, die nach wie vor bundeseigene Deutsche Bahn AG schon 2006 – zumindest teilweise – an die Börse zu bringen. Die Entschließung des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestags vom Mittwoch spricht Bände. Einstimmig fordern die Verkehrspolitiker mehr Zeit für eine Teilprivatisierung des Bahn-Konzerns. Vorher wollen sie über mehrere Jahre eine wirtschaftliche Erfolgsbilanz des Unternehmens sehen, dessen Sanierung noch lange nicht zu Ende ist.

Für Mehdorn ist das eine schallende Ohrfeige. Mit der Rückendeckung des Kanzlers setzte er sich mehrfach erfolgreich gegen politische Störfeuer durch, doch gegen das geballte Votum der Verkehrsexperten des Bundestags wird er kaum ankommen. Mehr noch: Die Ausschussentschließung, auch über einen Börsengang ohne das Schienennetz diskutieren zu wollen, führt unweigerlich erneut zu der von Mehdorn heftig abgelehnten Idee, die staatliche Infrastruktur Schienennetz von dem eigentlichen Bahnbetrieb zu trennen. Dies fordert jedoch nicht nur die Politik, sondern auch die Wirtschaft mehr und mehr.

Ob schneller oder späterer Börsengang, ob Trennung von Netz und Betrieb oder nicht: Wichtig ist, dass die Politik letztlich ihren starken Einfluss auf die Bahn aufgibt. Die mit der Bahnreform eingeschlagene und so auch von der EU-Verkehrspolitik gewollte Richtung muss beibehalten werden. Nur dann kann der Konzern wirklich wie ein richtiges Unternehmen agieren und seine Mitarbeiter motivieren, sich dem Druck des Wettbewerbs zu stellen. Eine Rückkehr in Staatsbahn-Zeiten wäre fatal.

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