Die Nach-SARS-Ära
Kommentar: China im Konsumrausch

Die chinesische Wirtschaftsbilanz von Januar bis Juni liest sich, als hätte es das Virus nie gegeben: Die Behörden liefern eine Erfolgsmeldung nach der anderen über das erste Halbjahr ab.

China hat nach dem Sieg über SARS schnell zur Tagesordnung zurückgefunden. Die Wirtschaftsbilanz von Januar bis Juni liest sich, als hätte es das Virus nie gegeben: Die Behörden liefern eine Erfolgsmeldung nach der anderen über das erste Halbjahr ab. Industrieproduktion, Exporte und ausländische Direktinvestitionen liegen über allen Erwartungen.

Das hat seine Gründe. Als Magnet für Investitionen aus der ganzen Welt hat China eine bemerkenswerte Dynamik entwickelt. Internationale Konzerne wollen mitverdienen an dem Konsumrausch, den die am schnellsten wachsende Mittelschicht der Welt entfacht. Der Aufholbedarf ist noch längst nicht gedeckt – gleichzeitig ist die Sparquote und damit die potenzielle Kaufkraft der Chinesen hoch.

Produktion aus Asien, Europa und den USA wird massiv nach China verlegt: Dort sitzen nicht nur die Konkurrenten, dort funktionieren inzwischen auch die Lieferantennetzwerke. Außerdem sind die Produktionskosten niedrig, entsprechend viel können die Konzerne verdienen.

Deutsche Firmen sind in China gut vertreten in Industrien, die explosionsartig wachsen: Autos, Elektronik, Maschinenbau und Chemie. Die Deutschen genießen zudem den Ruf, Know-how zu teilen – ein Pluspunkt in einem Entwicklungsland, das mit Siebenmeilenstiefeln den technologischen Fortschritt forciert. Nicht zuletzt rühmen die Chinesen die deutsche Vertragstreue – das ist ein Schlüsselfaktor in einer konfuzianisch geprägten Gesellschaft, wo es außerhalb der Familie kaum Vertrauen gibt.

Deutsche Firmen waren überdies früh im Land präsent und schöpfen, wie etwa VW, Pionier- Renditen ab. Der Konzern, der heute in Changchun eine Verdoppelung seiner Kapazitäten bekannt gibt, beherrscht 40 Prozent des Marktes. Siemens beschäftigt in China über 21 000 Menschen.

Die deutsche Industrie geht in China aber auch Risiken ein, die die rasante Transformation der Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft mit sich bringt: soziale Spannungen, träge Behörden, Heerscharen von Raubkopierern. Ganz zu schweigen von Machtkämpfen, Unruhen und einer schroffen Kluft zwischen den bitterarmen Inlandsregionen des Riesenreichs und den reichen Städten. Die Konzerne achten jedoch nicht auf die dunklen Wolken am Horizont, sondern auf den Sonnenschein heute.

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