Dow Jones
Fuß in der Tür

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Entschieden ist zwar noch nichts, Rupert Murdoch ist seinem Ziel jedoch ziemlich nahe gekommen. Nach dem ersten Treffen mit der Eigentümerfamilie von Dow Jones hat der umstrittene Medienzar alle Chancen, den Wirtschaftsverlag samt dessen publizistischem Flaggschiff „The Wall Street Journal“ zu übernehmen. Zwar sind sich beide Seiten noch nicht darüber einig, wie die publizistische Unabhängigkeit des Journals gesichert werden soll. Die Bancrofts wollen einen unabhängigen Beirat, der über die Redaktion wacht. Murdoch will jedoch nicht nur zahlen und schweigen. Er will zumindest mitreden.

Die Unterschiede erscheinen nicht so groß, dass ein Deal daran scheitern muss. Zumal die Familie keine wirkliche Alternative hat. Nach langem Ringen ist sie zu der Erkenntnis gelangt, dass Dow Jones als unabhängiges Unternehmen in der sich radikal wandelnden Medienlandschaft kaum überleben kann. Zwar zeigt das Angebot von Murdoch, dass sich mit hochwertigen Finanzinformationen selbst im Internetzeitalter gutes Geld verdienen lässt. Allerdings nur, wenn man das multimediale Potenzial voll ausschöpft.

Murdoch hat seinen Medienkonzern News Corp. besser als andere darauf vorbereitet. Ein Pressebaron, der das Internet verinnerlicht hat, ist wirtschaftlich gesehen nicht die schlechteste Voraussetzung für den erfolgreichen Wandel einer großen Tageszeitung. Und journalistisch? Mur-doch hat sich bislang nicht als Vorkämpfer für die publizistische Unabhängigkeit seiner Medien hervorgetan. Dumm ist der 76-Jährige jedoch nicht. Ein Eingriff in die redaktionelle Freiheit des Journals würde das Renommee und damit die wirtschaftliche Basis der Zeitung ruinieren. Es wäre also das Dümmste, was Murdoch machen könnte.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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