EADS
Der erste Fehlschlag

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Die Deutschen wollten zeigen, dass nicht nur die Franzosen die eigenen nationalen Interessen in der Wirtschaft hart vertreten können. Bei der Fusion der Energieriesen GDF und Suez, bei der Rettung des Alstom-Konzerns, beim Zusammenschluss der Pharmakonzerne Sanofi und Aventis: überall war die Regierung in Paris mit dabei. Und natürlich auch beim deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. In Berlin ist nach all diesen französischen Interventionen die Ansicht gereift, dass auch die deutsche Regierung mehr für ihre Unternehmen tun könne. Vor allem beim Airbus-Mutterkonzern EADS. Airbus will aus Kostengründen einen Großteil seiner Zulieferwerke ausgliedern und verkaufen. Dann, so die in Berlin ausgeheckte Idee, sollten zumindest die deutschen Airbus-Zulieferwerke in heimischen Händen bleiben. Und mit dem schwäbischen Maschinenbauer Voith war der vermeintlich passende Kandidat für diese nationale deutsche Aufgabe auch zunächst gefunden.

Doch jetzt wollen die Schwaben nicht mehr. Ihnen wird die Sache zu teuer: Eigennutz geht vor vermeintlichem Gemeinsinn. Der Plan, bei EADS stärker eigene Interessen durchzusetzen, gerät ins Wanken. Es gibt zwar mit dem Bremer Unternehmen OHB einen anderen Bewerber für die Airbus-Werke. Aber die Hoffnungen ruhten allesamt auf dem Voith-Konzern und dessen Finanzkraft. Die Berliner Politiker haben mit ihrer Intervention einen ersten Fehlschlag erlitten und sollten daraus Lehren ziehen. Entweder sie bereiten eine solche Einflussnahme künftig gut vor und vermeiden damit eine Niederlage wie im Fall Voith. Oder, und das wäre die eindeutig bessere Lösung: Die Politik hält sich aus solchen Dingen heraus und lässt die Unternehmen gewähren. Was Frankreich macht, muss nicht unbedingt gut für Deutschland sein.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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