Einzelhandel
Spiel mit dem Feuer

Nein, heißt es im Büro von Michael Bastian, der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Drogisten werde kein Wort mehr sagen zum Thema Mehrwertsteuererhöhung. Muss er auch nicht.

In Interviews in einschlägigen Zeitschriften hatte er seinen Mitgliedsfirmen schließlich schon ausführlich dazu geraten, die Preise bitteschön bereits weit vor dem Jahreswechsel nach oben zu schrauben. Nur so könne man anschließend werbewirksam am 1. Januar 2007 auf einen Steueraufschlag gegenüber den Kunden verzichten.

Schlecker, dm, Rossmann und Müller folgten dem Aufruf des Verbands mit Freude – und machten damit den Vorgang eigentlich zu einem Fall für das deutsche Kartellamt. Auf breiter Front, so hat das Statistische Bundesamt inzwischen ermittelt, kletterten seitdem die Preise für Duschgel, Zahncreme und Toilettenpapier. Schlimmer noch: Das trickreiche Lavieren der Drogisten, die selbst vor so genannten Mogelpackungen – verkleinerten Verpackungseinheiten zum selben Preis – nicht zurückschreckten, hat die ganze Branche in Verruf gebracht. Landauf, landab häufen sich Meldungen über angebliche Preiserhöhungen, die es in Wirklichkeit noch gar nicht gibt.

Wer so handelt, spielt mit dem Feuer. Wir erinnern uns: Anfang 2002 waren es die Gastwirte, die bei der Währungsumstellung auf den Euro kräftig zulangten und damit die unsägliche Teuro-Debatte entfachten. In der Folgezeit misstrauten Deutschlands Verbraucher nahezu jedem Einzelhändler – und verschoben private Anschaffungen, wo immer es ging. Für Vertrauen sorgten damals allein die Discounter, die ihre Preise exakt umrechneten. Der kometenhafte Aufstieg von Aldi, Lidl & Co. ab 2002 sollte Händlern eine Lehre sein.

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