Er präsentiert sich als Friedenskanzler
Schröder wirbt für sich selbst

Der Regen hat kräftig Wasser in die Elbe gespült. Doch vor der Brühlschen Terrasse ruht der Fluss träge in seinem Bett. Kaum vorstellbar, dass am 17. August 2002 der Pegelstand über Nacht auf 9,40 Meter schoss. Ein tobender Strom überflutete vor drei Jahren zunächst die Dresdner Altstadt und bescherte anschließend dem angeschlagenen Kanzler im Wahlkampf Oberwasser. Gerade mal 1,25 Meter misst der Pegel 33 Tage vor der diesjährigen Bundestagswahl. Geschichte wiederholt sich nicht.

DRESDEN/JENA. Oder doch? Nur wenige Meter von dem Schicksalsfluss entfernt, erhält Gerhard Schröder an diesem Montag ein Wahlgeschenk ganz anderer Art. Jean-Pierre Garnier, der Vorstandschef des weltweit zweitgrößten Pharmakonzerns Glaxo Smithkline, hat seinen Urlaub unterbrochen, um mit dem Regierungschef den Grundstein für ein Werk für Grippeimpfstoff zu legen, 100 Millionen Euro sollen investiert werden. Der Kanzler, lobt der britische Manager, sei ein Mann mit "Visionen", ein "integrer Mensch". Er habe den richtigen Plan vorgelegt, um Deutschland wieder zum "starken Mann in Europa" zu machen.

Als reiche dies noch nicht, setzt Garnier noch einen drauf. Er treffe in seinem Job viele Staatsmänner und könne nur sagen: "Deutschland ist sehr gut bedient. Ich hoffe, die Bevölkerung wird das zur rechten Zeit erkennen." Mit süffisantem Lächeln tritt der Kanzler ans Rednerpult. Gut gelaunt dankt er für die freundlichen Worte: "Wenn ich sagen würde, das bin ich gewöhnt, wäre das gelogen."

Wahlkampf paradox: Während die haushohe Favoritin Angela Merkel mit den Querelen in ihrer eigenen Partei beschäftigt ist, dreht Amtsinhaber Gerhard Schröder in diesen Tagen richtig auf. Mag die SPD mit 28 oder 29 Prozent derzeit noch meilenweit von der Macht entfernt sein - ihr 61-jähriges Schlachtross wirkt wie gedopt. Mehr als 100 öffentliche Termine quer durch die Republik wird er bis zum 18. September absolvieren. Das sind 40 Auftritte mehr als 2002. Alleine in den ersten drei Tagen dieser Woche stehen vier Kundgebungen auf dem Programm. Neben der üblichen Arbeit im Kanzleramt wird Schröder bis zum Wochenende etliche Interviews absolvieren, den Papst treffen, die Damen-Fußball-Nationalmannschaft empfangen, die CD "Gemeinsam gegen Rechts" vorstellen und die Skulptur "Non Violence" des Künstlers Carl Friedrich Reuterswärd enthüllen.

Trotz des Stresses, der kaum mehr als fünf bis sechs Stunden Schlaf pro Nacht ermöglicht, scheint Schröder befreit: Im Juli hatten ihn die Medien schon abgeschrieben. Doch mit seinem souveränen Solo bei "Sabine Christiansen" hat er das Verlierer-Image abgestreift. Nun verstolpert die Union auch noch ihren Wahlkampfstart. "Die letzten beiden Wochen waren nicht die schlechtesten", urteilt Schröder.

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