Erbschaftssteuer
Eine Bagatellsteuer, die richtig weh tun kann

Die Erbschaftssteuer bringt kaum einen nennenswerten Betrag ein, belastet einige Erben aber erheblich. Die jetzt vorgeschlagene Reform würde für fast alle Seiten Vorteile bringen. Bis auf eine spezielle Berufsgruppe.
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Über kaum eine Steuer wird so emotional diskutiert wie über die Erbschaftsteuer. Die große Mehrheit hält das Aufkommen von 4,2 Milliarden Euro angesichts einer Erbschaftswelle von rund 200 Milliarden Euro pro Jahr für viel zu gering – und die, die von der Steuer betroffen sind, sprechen gern von Enteignung. So paradox es klingen mag: Beide Seiten haben gar nicht so unrecht.

Zum einen ist die Erbschaftsteuer aus Sicht des Fiskus heute fast schon eine Bagatellsteuer, deren Aufkommen dem eines halben Mehrwertsteuerpunktes oder einem Drittel des Grundsteueraufkommens oder der Hälfte des Kfz-Steueraufkommens entspricht. Der Anteil der Erbschaftsteuer am Gesamtsteueraufkommen beträgt deutlich weniger als ein Prozent.

Zum anderen zwingen die hohen Steuersätze von bis zu 30 Prozent für enge Verwandte beziehungsweise Ehepartner und sogar bis zu 50 Prozent für Dritte dazu, durch Steuergestaltung der Steuer auszuweichen. Und weil auch der Gesetzgeber begriffen hat, dass ein Unternehmenserbe nicht mal eben Zigmillionen an den Fiskus überweisen kann, ohne den Fortbestand seines Betriebs zu gefährden, gibt es komplizierte Verschonungsregeln, die letztlich gerade jene von der Erbschaftsteuer verschonen, die sie eigentlich zahlen sollten.

Laut Erbschaft- und Schenkungsteuerstatistik gab es zuletzt gut 170 000 steuerpflichtige Übertragungen pro Jahr. Im Schnitt waren knapp 25 000 Euro Steuer fällig. Allerdings ist die Aussagekraft dieses Durchschnittswerts begrenzt. Denn gut ein Viertel des Gesamtaufkommens, reichlich eine Milliarde Euro, wurde von nur 562 Steuerpflichtigen gezahlt.

Kommentare zu " Erbschaftssteuer: Eine Bagatellsteuer, die richtig weh tun kann"

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  • Diese Debatte hat einen langen Bart.
    Im Erbfall von Betriebsvermögen sollte eine Meldung über die ggf. anfallende Erbschaftssteuer versandt werden. Diese Erbschaftssteuer wird gestundet für 10 Jahre bei nicht Schließung des Betriebes. Somit wäre der Erhalt von Arbeitsplätzen gegeben.

    Sollte der Erbfall auf eine Person vom Beruf
    SOHN
    fallen.der nur an Barem interessiert ist und innerhalb der 10 Jahre verkauft, so ist die Steuer sofort fällig.

    Könnte klappen.

    Schönen Tag noch.

  • Vermögen ist zweifacher Hinsicht eine Restgröße:
    1) ist es das, was nach der Einkommensteuer (und sozialen Abgaben) als verfügbares Einkommen geblieben ist;
    2) ist es das, was vom verfügbaren Einkommen nach dem sofortigen Konsum einschließlich der indirekten Besteuerung noch übrig ist.

    Der Staat hat also bereits zweimal sich seinen Steueranteil vom Einkommen geholt. Nun möchte er von dem nicht verbrauchten Teil auch noch einen Teil - ohne Rücksicht darauf, ob dieser Rest überhaupt Einkommen erzeugt. Denn das Einkommen aus Vermögen wird ja ebenfalls und extra besteuert.

    Eine Vermögenssteuer löst überhaupt Probleme der ungleichen Vermögensverteilungen - schließlich bekommen nicht die Vermögenslosen die Steuern, sondern der Staat.

  • Der Staat kontrolliert doch bereits 50%+ des Bruttosozialprodukts. Mir ist schleierhaft, wie bei solch einer Situation ernsthaft Überlegungen zu Steuererhöhungen gemacht werden können. Umgekehrt wird ein Schuh draus, der Staat muss dringed massiv verkleinert werden, sonst wird noch der letzte Euro Volksvermögen vernichtet. P.S. ich habe noch nie etwas geerbt und erwarte auch kein Erbe.

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