Mit seiner Sozialenzyklika dringt der Papst bis zum Kern der Finanzkrise vor. Denn indem er die Liebe in den Mittelpunkt stellt, fordert er auch eine Ethik, die sich mit individuellen Tugenden und dem Aufbau vernünftiger Institutionen beschäftigt.

Kommentare

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  • Die Sozialenzyklika des Papstes ist eine liebevoll
    gemeinte Erkläruung an Menschen, allerdings eine
    Katastrophe, so der mir gut bekannte Friedhelm Hengsbach SJ. Recht hat er.

    DAS KAPiTAL des politischen Philosophen Marx vor hundert Jahren bewegte gravierende Diskussionen.
    DAS KAPiTAL des Erzbischofs Theologen Reinhard Marx; München und Freising mag wohl sozialethisch in theologischen bzw. philosophischen Kreisen ein
    DiSKUSSiONSFUTTER sein, interessiert allerdings
    industrie- und bankenmanager überhaupt nicht und hilft den Mitarbeitern ebenso nicht. Es gibt institutionen, in denen man gerne diskutiert und Themen der katholischen Soziallehre beherzigt. in REALiTAS der Arbeitswelt kümmert man sich darum nicht. Selbst in Gewerkschaften werden diese Schriften gelesen, sind aber wenig rezipiert und umgesetzt, weil es dort derzeit um Lohn- und Gehaltsfragen sowie um Überlebungskämpfe der arbeitenden bevölkerung geht.

    Kein industrieunternehmer würde sich ernsthaft diese Schriften zur Hand nehmen und diese beherzigt
    umsetzen. Dafür gibt es ebenso viele Gründe.

    O.Nell breuning SJ in Sankt Georgen wurde Jahrzehnte
    in Frankfurt besucht und um Rat gefragt. Ebenso hatte man ihn in Ministerien eingeladen und seine Ratschläge geschätzt. Er war ein ausgewogener Sozialethiker für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

    Aus meiner Sicht verliert sich diese Denkweise seit dem Tod von Nell breuning. Deshalb fahren in den
    letzten Jahren keine Ministerdienstwagen in Sankt Georgen, Frankfurt/ Main vor.

    Die Zeiten haben sich diesbezüglich geändert. Dies sollten sich die Kirchenvertreter vor dem iNNEREN
    AUGE festhalten. Die Apelle sind seitens der Sozialethiker berechtigt, greifen aber scheinbar zu
    kurz.

    Die Sozialenzyklika sowie die bücher DAS KAPiTAL
    entsprechen in ihren inhaltsangaben den inhalten
    der Unternehmensphilosophie broschüren oder Handbüchern in banken und Konzernen. Lippenbekenntnisse theoretischer Art.

    Alles brauchbare Literatur für Studenten in Seminaren, Weiterbildungstätten der Gewerkschaften
    oder Personalmitarbeiterzentren.

    Horst (George) balonier
    Neckarstrasse 2
    64319 Pfungstadt


  • DiE KiRCHEN TRETEN iN VERSCHiEDEN AUFGAbENFELDER AUCH ALS aRbEiTGEbER AUF DORT KÖNNTEN SiE EiGENTLiCH ZEiGEN WAS SiE UNER SOZiALERKOMPETENZ VERSTEHEN;
    SiE TUN NUR NiCHT; HiER HÄTTE JEDER biSCHOF GENUG ZU TUN

  • "Wucher ist das sicherste Mittel zum Gewinn, obwohl eines der schlechtesten, da er nichts anderes bedeutet, als sein brot zu essen, im Schweiße des Angesichts eines anderen", das wußte schon Francis bacon.

    Dass jedoch Arbeit und Kapital gleichberechtigt, gleich wichtig in der Wertschöpfungskette sind, ist auch seit längerem bekannt. Doch unsre Gewerkschaften hatten bei Einführung der Volksaktie, aus ihrer Abneigung keinen Hehl gemacht.

    im Zuge der Umstruktuierung von OPEL hörte man es vom betriebsrat nun anders: Lohn- und weiterer Vergütungsverzicht, gegen 10 % beteiling an OPEL.

    Wennn dieser Weg schon früher allgemein bedacht worden wäre so hätte man einem entfesselten Kapitalismus die Fesseln angelegen können, die ihn nachhaltig in die Schranken verweist.

  • Der Vatikan lehnt eine einseitige Ausrichtung am Shareholder-Value ab. Unternehmen müssten die berechtigten interessen anderer mit einbeziehen: das bedeutet doch nicht mehr aber auch nicht weniger, als alle gesellschaftlichen Gruppen in den wirtschaftlichen Entscheidungsprozess einzubeziehen.

    Das fordert Management, Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Das kann funktionieren, stellt aber unsere Wirtschaftsordnung vor eine gänzlich neue Herausforderung: Nicht mehr Eigentum entscheidet, sondern übergeordnete Ziele, caritatives Wirtschaftsdenken. Man könnte das auch Sozialismus nennen. Ob es unter christlicher Führung besser funktioniert?

  • Eigentümlich, dass dieser Artikel großen Zuspruch, aber bisher keine Kommentare erhalten hat. Dabei stellt Hr. Marx eine Frage, die sich spätestens seit der Finanzkrise bei jedem gesellschaftlich interessierten Menschen gemeldet haben muss: bedarf es einer neuen wirtschaftlichen Ordnung – Vielleicht sogar eines ”dritten Weges” abseits von Sozialismus und ungezügeltem Kapitalismus?

    Die beiträge von geistlichen Denkern zu diesem Thema sind mir hochwillkommen, denn die zu Tage getretenen Mängel der bestehenden Wirtschaftsordnung sind letztlich moralischer Natur.

    Schade deshalb, dass der Artikel einen dritten Weg zwar andeutet, aber nicht beschreibt oder wirklich glaubhaft macht. Schließlich fehlt es nicht an Kritikern der bestehenden Mängel des Wirtschaftsystems, und es fehlt auch nicht an jenen, die eine Neuordnung für möglich und erstrebenswert halten. Es fehlt allein an glaubhaften Modellen für eine solche Neuordnung.

    Kann nicht die Kirche, die der womöglich größte globale ”Think-tank” für moralische Fragen ist, und die auf 2.000 Jahre gesammelten Wissens zur sozialen Gestaltung des menschlichen Miteinanders zurückgreifen kann, ganz konkrete Vorschläge für eine nachhaltige Wirtschaftsordnung unterbreiten?

    Hr. Marx nennt einige beispiele für caritatives Wirtschaftsdenken und – handeln, z.b. das Mikrofinanzwesen, die Entwicklungshilfe und – andeutungsweise - das sozial verantwortliche Unternehmertum. Als weitere beispiele könnte man wohl anführen: Vereine, genossenschaftliche Unternehmen, bestimmte Fonds und Sozietäten samt nicht zuletzt die Staaten und die Kirche selbst.

    Es bleibt jedoch die Frage, ob sich auf dieser Grundlage eine ganze Wirtschaftsordnung aufbauen lässt – Eventuell sogar eine, die an Nachhaltigkeit der bisherigen überlegen ist. Falls ja, sollte man sich logischerweise an die Abschaffung oder fundmentale Umgestaltung der bestehenden, rein gewinnstrebenden Gesellschaftsformen machen: GmbHs, Aktiengesellschaften und dergleichen.

    Ein solcher Schritt widerspricht allerdings der Erfahrung, dass der reine Kapitalismus eine Art Naturgesetz ist – Größtmögliches Gewinnstreben um nahezu jeden Preis bewirkt die größtmögliche Anhäufung von Ressourcen auf kurzer Sicht und damit größtmögliche Einflussnahme/Macht.

    Rücksichtnahme und freiwilliger Verzicht sind zwar Ausdruck von wirtschaftlicher und sozialer Weitsichtigkeit, unterliegen aber aus dem genannten Grund im täglichen Wettbewerb gegenüber kurzsichtigem Profitstreben. Von bestimmten wirtschaftlichen Nischen einmal abgesehen.

    Die Spielregeln der Wirtschaft scheinen sich seit Anbeginn der Menschheit nicht wirklich verändert zu haben: Wer die natürlichen und menschlichen Ressourcen der Erde am effektivsten plündert, gewinnt, jedenfalls in der kurzen Zeitspanne eines Lebens. Wer sich allerdings dabei erwischen lässt, einen sozialen Zusammenbruch anzuzetteln, muss eine gewürfelte Anzahl Felder zurücktreten und brav bis zur nächsten Runde warten. Es scheint mir, als ob alle nicht-kapitalistischen Wirtschaftmodelle nur eine Warteschleife im wirtschaftlichen Fortgang unserer Welt darstellen.

    Es wäre natürlich schön, falls die Kirche diesen betrübliche Aussichten entgegentreten kann und will, und zwar nicht durch Ermahnungen, sondern umsetzbare Handlungsalternativen, die von der bevölkerung auch breit angenommen werden können. So lange es an solchen fehlt, muss ich davon ausgehen, dass das caritative Wirtschaftsdenken in der diesseitigen Welt keine rechten Chancen hat.

  • ...und zum Schluss die Kirche!

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