Euro-Schuldenkrise
Sollte Griechenland geopfert werden?

In Griechenland begann die Krise, am Südostrand Europas zeichnet sich nun ab, wie es weitergeht: Verlassen die Griechen die Euro-Gruppe, würde das die Disziplin stärken - und zugleich große Risiken bergen.
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In früheren Jahrhunderten nahmen Bergleute Kanarienvögel mit unter Tage, um sich vor giftigen Gasen zu schützen. Fiel ein Kanarienvogel von der Stange, so blieb den Minenarbeitern noch genug Zeit zur Flucht. Heute in der Schuldenkrise spielt Griechenland den Kanarienvogel für die Europäer. Das Land am Südostrand der Währungsunion meldete als erstes, dass sein Haushaltsdefizit aus dem Ruder laufe, und löste damit den steilen Anstieg der Zinsen für Staatsanleihen vieler Euro-Länder aus. Es musste als erstes die anderen Mitgliedsländer um Hilfe bitten und schließlich als erstes Euro-Land eine Umschuldung vornehmen.

Bald könnte ihm erneut die Rolle zufallen, eine weitere Verschärfung der Krise anzuzeigen: Vieles spricht dafür, dass Griechenland als erstes Land die Währungsunion wieder verlassen wird, womöglich noch in diesem Jahr. Eine stabile Regierung, die die mit den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarte Spar- und Reformpolitik fortsetzt, ist nicht in Sicht.

Jede neue Regierung in Athen wird versuchen, günstigere Konditionen herauszuholen. Auf der anderen Seite werden Kerneuropäer und IWF auch zu gewissen Zugeständnissen bereit sein, denn sie wissen, dass die Schuldenlast der Griechen trotz der Umschuldung untragbar hoch ist. Doch sie wissen auch: Wenn sie den Griechen zu sehr nachgeben, werden auch andere Krisenländer Kredite ohne harte Auflagen verlangen. Womöglich müssen sie den Kanarienvogel Griechenland opfern, um eine enger integrierte, wettbewerbsfähige Euro-Zone zu erreichen.

Eins ist klar: Wenn die internationalen Helfer den Kredithahn zudrehen, ist Griechenland binnen Monaten zahlungsunfähig; die Regierung könnte die Gehälter ihrer Angestellten sowie Renten und Sozialleistungen nicht mehr zahlen. Die Aussicht auf den bevorstehenden Euro-Austritt würde einen Ansturm auf die Banken des Landes auslösen, die ja nicht mehr von der Europäischen Zentralbank finanziert würden. Das würde auch die Unternehmenslandschaft verwüsten und die Rezession verschärfen. Der Regierung bliebe keine Wahl, als den Euro aufzugeben und zur Drachme zurückzukehren.

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Ohne gründliche Reformen hat Griechenland keine Chance.

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  • Eine weitere Alimentierung der griechischen Kleptokratie spricht dem Gerechtigkeitssinn Hohn.

    Natürlich wird der Rausschmiß teuer. Im Grunde wird hier aber nur eine schon lange überfällige Bilanzbereinigung um uneinbringliche Posten vorgenommen.

    Eine endlose Ausbeutung des deutschen Steuerzahlers durch die griechischen Kleptokraten kommt langfristig aber noch teurer.

    Die Rückzahlung von Geld das man sich geliehen hat wird von den Griechen ja offensichtlich als Zumutung empfunden.

    Deshalb: Desto schneller Schluß ist umso besser.

    Dem verlorenen Geld noch mehr Geld hinterherzuwerfen bringt das verlorene nämlich auch nicht zurück.

  • Griechenland hat keine Geschäftsmodell und kann ein solches erst entwickeln, sobald die eigene Währungs-Souveränität wieder hergestellt ist.

  • Griechenland ist keineswegs ein Bauernopfer. Das Land hat sich durch Lug und Trug in die Eurozone gemogelt. Jetzt muss es die Konsequnezen dafür tragen. Ein Austritt aus der Eurozone ist unausweichlich, denn Griechenland ist schlicht nicht reformfähig ist. Das hat die OECD erst vor wenigen Monaten bestätigt. Was ja auch dadurch bewiesen ist, dass Griechenland in den letzten 2 Jahren so gut wie nichts von den geforderten Reformen umgesetzt hat. Es wird sich wohl erst dann etwas ändert, wenn die Griechen wieder auf sich selbst gestellt sind.
    Dass ein Austritt Griechenlands für Deutschland teuer wird, steht außer Frage. Aber je länger Griechenland in der Eurozone bleibt, desto teurer wird es werden. Teurer jedenfalls, als wenn es austritt.

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