Euro
Umsichtig handeln

  • 0

Bei einem Kurs von fast 1,50 Dollar je Euro wird es selbst den bisher so entspannten Verbandsvertretern der deutschen Exportwirtschaft mulmig. Zu Recht. Das Exportwachstum hat sich bereits deutlich abgeschwächt. Dabei beginnt die Konjunkturflaute in den USA erst, sich global auszuwirken. Die wirklich niedrigen Wachstumsraten in den Vereinigten Staaten kommen erst noch. Wenn sie da sind, dürfte sich wieder einmal zeigen, dass die Abhängigkeit unserer Konjunktur von den USA viel größer ist, als deren begrenzter Anteil am deutschen Außenhandel nahelegt.

Solange US-Wirtschaft und Weltwirtschaft brummten, haben die deutsche und die europäische Wirtschaft den steilen Anstieg des Euro-Kurses bemerkenswert gut verkraftet. Aber das heißt nicht, dass es so bleibt. Zumal man nicht vergessen darf, dass die großen Probleme, die die Subprime-Krise den deutschen und europäischen Banken beschert hat, früher oder später auf die Kreditversorgung der Wirtschaft durchschlagen werden. Optimist ist man in einem solchen Umfeld schon, wenn man davon ausgeht, dass die deutsche Konjunktur nur eine vorübergehende Flaute erleben wird.

Jetzt kommt viel darauf an, umsichtig zu handeln. Die Finanzpolitiker sollten nicht der Versuchung erliegen, aus dem Vollen zu schöpfen. Wenn es in absehbarer Zeit nicht mehr so gut läuft, müssen sie dann auch nicht in den alten Fehler verfallen und den Abschwung durch eine panische Kürzungsorgie noch verstärken. Und die Europäische Zentralbank sollte endlich das ihre tun, um den Euro-Höhenflug zu beenden. Sobald sie ihre hohlklingende Zinserhöhungsrhetorik aufgibt und klarmacht, dass sie der Wirtschaft bei Bedarf mit Zinssenkungen zu Hilfe kommen wird, fällt ein wichtiger Grund für den Anstieg des Euro-Kurses weg.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Euro: Umsichtig handeln"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%