Europa
Oligarchen ante portas

In kürzester Zeit haben Russlands Magnaten ihre Firmen auf Profitabilität getrimmt. Nun schwimmen sie wie Dagobert Duck in Petro-, Nickel- und Stahltalern und strecken ihre Fühler nach Westeuropa aus. Fragt sich nur, ob es moralisch vertretbar ist, Manager mit zweifelhaften Methoden Westkonzerne schlucken zu lassen.

Die Fusion von Europas größtem Stahlkocher Arcelor mit Russlands Branchenprimus Severstal hat eine Grundsatzdiskussion ausgelöst: Kann Europa russische Oligarchen an der Spitze seiner Weltkonzerne akzeptieren? Denn daran lässt Severstal-Boss Alexej Mordaschow noch vor der Zustimmung der Arcelor-Aktionäre keinen Zweifel: Nach einer Fusion will er die Rolle des Juniorpartners und Übernommenen schnell abstreifen und zum starken Mann bei den Luxemburgern aufsteigen. Tiefstapeln wäre vielleicht taktisch klüger gewesen. So aber hat Mordaschow früh und weit über Arcelor hinaus die Frage aufgeworfen, ob Europa eigentlich bereit ist, die industriellen Kronjuwelen des alten Kontinents in die Hände von russischen Oligarchen zu geben?

Wer allerdings wollte ernsthaft verhindern, dass Russlands Magnaten mit ihren Milliarden an westlichen Aktienmärkten Firmenmehrheiten zusammenkaufen? Denn eines muss man Moskaus Machern zugestehen: Sie haben ihre Firmen in kürzester Zeit auf Profitabilität getrimmt und dabei oft an die Spitze ihrer jeweiligen Branche gebracht. Nun schwimmen sie wie Dagobert Duck in Petro-, Nickel- und Stahltalern, weil sie weitaus schneller und rigoroser auf der Klaviatur des Kapitalismus zu spielen gelernt haben als ihre europäischen Konkurrenten. Trotz oder gerade wegen der steten Drohung Putins, allzu erfolgreiche Unternehmen in Russland zu verstaatlichen.

Damit wird der Gang in den Westen auch zum Andocken in sicheren Häfen. Und schon ist man wieder bei Mordaschow: Darf man jemanden auf die Kapitänsbrücke eines künftigen Weltmarkttankers lassen, der sich im eigenen Land die Aktienmehrheit an Severstal nur sichern konnte, indem er seinen Arbeitern monatelang keine Löhne auszahlte? Daraufhin mussten diese ihre Aktien, die sie im Rahmen der Volksprivatisierung des sowjetischen Eigentums bekommen hatten, verkaufen, um ihre Familien zu ernähren.

Der gerne als Retter des FC Chelsea gefeierte Ölmilliardär Roman Abramowitsch hatte sich seinen Sibneft-Konzern übrigens auf die gleiche Weise zusammengekauft. Inzwischen hat er ihn für 13 Milliarden Dollar an Gazprom veräußert. In der russischen Ölbranche kamen allerdings – anders als im Stahlsektor – noch Auftragsmorde und skrupellose Kredite-für-Aktien-Programme hinzu. Dadurch bekam eine Hand voll dem Kreml nahe stehender Oligarchen das industrielle Tafelsilber der UdSSR in ihre gierigen Hände.

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