Evonik
Kommentar: Abgeblasen

Finanzinvestor statt Börse: Evonik hat sich für den Weg entschieden, der mehr Geld einbringt.
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Nun ist es amtlich. Der ursprünglich für diesen Sommer geplante Börsengang des aus dem Bergbaubetreiber RAG hervorgegangenen Industriekonzerns Evonik findet nicht statt. Der Alleineigentümer, die neu gegründete Kohlestiftung, hat das Vorhaben offiziell abgeblasen.

Für Beobachter kommt die Absage des Börsengangs nicht überraschend. In den vergangenen Wochen hatten sich mehrere Beteiligte wiederholt kritisch über die Erfolgsaussichten des Milliardenprojekts geäußert. Angesichts der aktuellen Verfassung des Kapitalmarkts erschien es zunehmend ungewiss, einen angemessenen Preis für die Evonik-Aktien zu erzielen. Allein der Deutsche Aktienindex Dax hat seit Jahresbeginn ein Sechstel an Wert verloren. Sogar die mächtige Bergbaugewerkschaft IG BCE, gewiss kein Freund der Heuschrecken, hat ihren ursprünglichen Widerstand gegen den Einstieg eines Finanzinvestors bei Evonik aufgegeben.

Mit dem Blick auf die Risiken und den erzielbaren Erlös aus dem Verkauf der Aktien war der Börsengang von vornherein nur die zweitbeste Lösung. Die Erstellung eines Börsenprojekts, aufwendige Präsentationen vor in- und ausländischen Investoren und eine breit angelegte Werbekampagne in den verschiedenen Medien sind teuer. Und nicht zuletzt wollen auch die am Börsengang beteiligten Banken Geld verdienen. Ein Verkauf eines Aktienpakets an einen oder mehrere Finanzinvestoren bringt unter dem Strich deutlich mehr.

Zu verschenken hat die Stiftung ohnehin nichts. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Aktien sollen schließlich die sogenannten Ewigkeitskosten des Bergbaus finanziert werden. Dafür muss die Stiftung bis zum Jahr 2018 ein Vermögen von acht Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Die Chance besteht, denn der gesamte Evonik-Konzern dürfte aktuell sechs Milliarden Euro wert sein.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur

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