Finanzkrise
Prinzip Hoffnung

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Nur zwei Wochen ist es her, da hieß es an der Wall Street unisono: „Die Krise ist überstanden. Wir haben das Schlimmste hinter uns.“ Jetzt wissen wir, dass es sich dabei nur um das Pfeifen im Walde gehandelt hat. Die geplante Rettungsaktion mehrerer Großbanken für ihre notleidenden Investmentvehikel zeigt, dass die Kreditkrise nicht überwunden ist. Vielmehr schlummern in und außerhalb der Bankbilanzen immer noch Risiken, die nicht nur die Finanzhäuser selbst, sondern auch den Rest der Wirtschaft umwerfen könnten.

Die Idee, sich in der Krise an einen Tisch zu setzen und gemeinsam nach einem Ausweg zu suchen, ist nicht neu. Auf ähnliche Weise verhinderten sieben Investmentbanken den Zusammenbruch des Hedge-Fonds LTCM 1998 und wendeten so Schaden vom Weltfinanzsystem ab. Ganz freiwillig geschah das nicht. Wie damals die US-Notenbank so muss heute offenbar US-Finanzminister Henry Paulson mit sanftem Druck dafür sorgen, dass sich die Konkurrenten zusammenraufen.

Dass der Rettungsplan überhaupt gelingen kann, ist keineswegs ausgemacht. Die Idee eines Auffangfonds stützt sich vor allem auf die Hoffnung, dass Anleger einem „Super-Conduit“ mehr vertrauen als den einzelnen Investmentvehikeln. Die dubiose Struktur dieser Bankableger außerhalb der Bilanzen ändert sich jedoch nicht. Es führt aber kein Weg daran vorbei, dass alle relevanten Risiken in die Bilanz gehören.

Problematisch ist die Rettungsaktion aus deshalb, weil die Banken jetzt ein Kunststück versuchen, das dem Marktmechanismus in den vergangenen Wochen nicht gelungen ist. Damit der „Super-Conduit“ den Finanzhäusern ihre Risiken abnehmen kann, müssen diese jene riskanten Finanzprodukte bewerten, für die es seit dem Sommer weder Käufer noch Preise gibt.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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