Firmengewinne
Kommentar: Aus der Traum

Sage niemand, diesmal komme alles anders und Deutschland koppele sich von der Lokomotive USA ab. Spätestens die Unternehmensbilanzen für 2007 führen uns in die Realität zurück.
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Lange Zeit schienen die Immobilienkrise und der Abschwung in den USA an den deutschen Konzernen abzuperlen. Umsätze und Gewinne stiegen trotz schwächerer Geschäfte mit dem wichtigsten Handelspartner USA. Der Nachfrageboom aus Fernost, Osteuropa und den Ölländern kompensierte das Minus. Der oft herausgestellte Nachteil, zu wenig auf moderne Dienstleister und zu viel auf „Old Economy“-Industrie zu setzen, erwies sich im investionsgetriebenen Nachfrageboom der Weltwirtschaft als großer Vorteil. Selbst Wettbewerbsnachteile durch den teuren Euro und die Preisexplosion bei den Rohstoffen machten unseren exportlastigen Konzernen nichts aus.

Diese rosigen Zeiten enden jetzt. Der deutsche Export-Industrie-Bonus kehrt sich rasch zum Malus um, sobald Verbraucher und Unternehmen weltweit den Gürtel enger schnallen. Wer reich mit Industriefirmen gesät ist, fährt zwar im Aufschwung satte Gewinne ein, bleibt aber extrem abhängig vom Lauf der Weltkonjunktur. Und sie verliert an Schwung. Erstens, weil der Zyklus nach fünf Jahren ohnehin weit fortgeschritten ist. Zweitens, weil amerikanische Verbraucher und Firmen weniger nachfragen. Darunter leiden auch all jene Boomländer, die deutschen Firmen so lange zu Rekordgewinnen verhalfen.

Das Schlussquartal 2007 mit mauen Umsätzen und teilweise einbrechenden Gewinnen sollte jedem die Augen öffnen. Auch Haushaltspolitikern in Berlin. Denn die Zeiten unerwarteter Steuermehreinnahmen enden schon 2008.

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