Firmenübernahmen
Markt und Macht

Merck lanciert eine feindliche Offerte für Schering, wird aber von Bayer überboten. BASF erwirbt Teile von Degussa und bietet gleichzeitig für den Katalysatorenhersteller Engelhard. Linde übernimmt den höher bewerteten Konkurrenten BOC. Eon greift nach der spanischen Endesa.

Die Kühnheit deutscher Merger-Strategen scheint in diesen Tagen keine Grenzen zu kennen. Und sie befinden sich international durchaus in bester Gesellschaft, wie unter anderem die Fusionsbewegungen im Stahl-, Energie- und Telekomsektor zeigen.

Die Argumente für die neue Fusionsbegeisterung sind durchaus einleuchtend: Wie immer geht es um strategische Marktpositionen, wertvolle Ergänzungen des Produktprogramms, größere Stabilität und Schlagkraft. Und natürlich um Synergien.

Das Problem ist, dass die Logik der Merger durch solche Kriterien allenfalls zur Hälfte begründet werden kann. Der zweite Teil des Problems wird gerne unterschlagen: die Frage, ob diese Vorteile tatsächlich nur durch Fusionen und Übernahmen realisiert werden können oder ob es auch einfachere und preiswertere Mechanismen gibt? Die größte Synergie-Maschine der Welt wird dabei gerne übersehen: der Markt.

Benötigt man also tatsächlich paneuropäische Energiekonzerne für eine effiziente Versorgung oder den Austausch von Know-how? Wenn es für Bayer sinnvoll ist, auch Antibabypillen zu vertreiben, genügt dann nicht eine Vertriebsallianz? Ist Kooperation in der Krebsforschung nur unter dem Dach eines Großkonzerns möglich? Und wenn Katalysatortechnik von Engelhard für BASF interessant ist, muss man dann gleich das komplette Unternehmen kaufen?

Die aktuelle Übernahmewelle zeigt, dass in den Chefetagen der Glaube an die Überlegenheit der großen Konzernstrukturen weiter blüht. Dieselben Manager, die ansonsten mehr Markt und Eigenverantwortung predigen, arbeiten eifrig daran, ihre eigenen administrativen Einflussbereiche auszudehnen. Die große Gefahr besteht stets darin, dass man auf diesem Weg am Ende mehr Ineffizienzen schafft als beseitigt.

Die Institutionen-Ökonomik setzt sich seit mehr als fünf Jahrzehnten mit der feinen Balance zwischen Hierarchie und Markt auseinander, ohne eine eindeutige Antwort zu liefern. Immerhin scheint so viel klar zu sein: Auf der ganz großen, staatlichen Ebene hat die Idee einer durchorganisierten, zentral verwalteten Wirtschaft grandios versagt. Auf der anderen Seite bleibt eine leistungsfähige Industriegesellschaft ohne die Inseln der Planwirtschaft, sprich Unternehmen, undenkbar. Die meisten Produkte und Dienstleistungen würden ohne sie nicht existieren.

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