Geberkonferenz
Eine Chance für den Irak

Über den Irak gibt es derzeit zwei Sichtweisen – eine rabenschwarze und eine rosarote. Die erste ist die der Kritiker von US-Präsident George W. Bush – die zweite ist jene von Bush selbst.

Über den Irak gibt es derzeit zwei Sichtweisen – eine rabenschwarze und eine rosarote. Die erste ist die der Kritiker von US-Präsident George W. Bush: Für sie ist das Land bisher keinen Schritt vorangekommen. Die Supermacht USA erhalte die bittere Quittung für den überhasteten Militäreinsatz. Bush dagegen sieht im Irak ein Zeitalter der Freiheit und Marktwirtschaft heraufziehen: Die bösen Buben sitzen seiner Darstellung nach bei den Medien, die sich nur auf das Negative konzentrierten.

Beide Szenarien sind falsch, aber beide enthalten in Teilen Richtiges. So hat der US-Präsident Recht, wenn er betont, dass der Irak unter Saddam Hussein ein korruptes, heruntergewirtschaftetes Land war, und wenn er auf die beträchtlichen Fortschritte bei der Versorgung mit Wasser und Strom verweist.

Bush muss es sich allerdings selbst ankreiden, dass zahlreiche Regierungen beim Wiederaufbau des Iraks den Daumen auf ihrer Kasse halten. Er hat viele Staaten durch seine Kraftmeierei vor dem Krieg verprellt. Hinzu kam eine allzu deutlich gezeigte Verachtung für die Uno. Angesichts des gewaltigen Finanzbedarfs am Golf ist der Präsident nun gezwungen, politisches Feingefühl zu entwickeln.

Schadenfreude und ideologische Nachhutgefechte bringen jedoch nichts. Die heute in Madrid beginnende Geberkonferenz ist vielmehr eine Chance für den Irak. So haben die Amerikaner zugestimmt, dass die Weltbank und die Uno zwei Treuhand-Fonds leiten, in denen sie unabhängig das Geld von Spender-Staaten verwenden können. Das ist eine Hintertür: Die internationale Gemeinschaft kann durch sie die gewünschte führende Rolle bekommen. Je großzügiger die Hilfen, desto konstruktiver werden die Amerikaner das Engagement von Weltbank und Uno sehen. Das Ganze hat einen Sogeffekt.

Natürlich kann dies nur ein erster Schritt sein. Investitionen werden erst richtig fließen, die Wirtschaft wieder wachsen, wenn sich die Sicherheitslage entspannt. Die USA müssen so schnell wie möglich Kompetenzen an irakische Kräfte abgeben.

Die Aussichten, dass Bush zu Kompromissen bereit ist, sind dabei so gut wie lange nicht mehr: Der Präsident steht einer zunehmend skeptischen US-Öffentlichkeit gegenüber. Will er in einem Jahr wieder gewählt werden, braucht er Erfolge – auch im Irak.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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