Geldpolitik
Kommentar: Bernankes Dilemma

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US-Notenbankchef Ben Bernanke steckt in einer verzwickten Lage. Angesichts der sich zuspitzenden Immobilienkrise und schwacher Arbeitsmarktdaten gilt ein Ende der Zinspause bei der nächsten Fed-Sitzung als sicher. Neben zahlreichen Flüsterern gibt es zunehmend Schreihälse an der Wall Street, die eine rasche und neuerdings rigide Zinssenkung einfordern. An den Terminmärkten für Zinskontrakte wird schon mehrheitlich mit einer Lockerung um 50 Basispunkte (0,5 Prozentpunkte) gerechnet.

Was kann Bernanke in einem derart nervösen Umfeld noch richtig machen? Senkt er den Leitzins nächste Woche um 25 Basispunkte, wäre ihm die Enttäuschung der Finanzmärkte gewiss. Ein neuerlicher Schwächeanfall der Börsen würde den Druck auf die Notenbank nur erhöhen, um rasch mit weiteren Zinsschritten nachzulegen. Senkt Bernanke indes gleich um 50 Basispunkte, würde er ein Schockszenario heraufbeschwören: Was sonst könnte die Fed veranlassen, von ihren üblichen 25-Punkte-Schritten abzuweichen, wenn nicht die Angst vor einem massiven Konjunktureinbruch? Eine Senkung um einen halben Prozentpunkt gleich im ersten Schritt gab es bisher erst einmal, am 3. Januar 2001: Danach kam die Rezession.

So oder so: Die Zeit der unangenehmen Wahrheiten rückt näher. Bisher gibt die US-Regierung noch standhaft die Prognose aus, die Wirtschaft werde im zweiten Halbjahr weiter wachsen. Doch der Ausblick entpuppt sich mit jeder neuen Statistik als Durchhalteparole. Und in den vorliegenden Konjunkturdaten sind viele Auswirkungen der Finanzkrise noch gar nicht enthalten. Hypothekenfirmen wie Countrywide etwa beginnen jetzt erst, in großem Stil Personal abzubauen. Und der Höhepunkt der Zahlungsausfälle im Immobiliensektor kommt noch.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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