General Motors
Obama weist Berlin die Richtung

Feuerwehrmann Obama wird derzeit klar, was es wirklich bedeutet, sich die Verantwortung für den Fortbestand eines nahezu abgebrannten Konzerns wie General Motors aufzuladen. Und der US-Präsident zieht die Zügel an. Sein Beispiel sollte den deutschen Politikern eine Mahnung sein.

Wie jedes Drama konzentriert sich der Kampf ums Überleben von General Motors auf wenige Protagonisten. Die Rolle des Sündenbocks nimmt der langjährige Chef Rick Wagoner ein. Sein von US-Präsident Barack Obama erzwungener Abgang war fällig. Ein glaubwürdiger Neuanfang braucht ein unverbrauchtes Gesicht – das ist Wagoners Nachfolger aber nicht.

Frederick Henderson, den alle nur Fritz nennen, ist kein unverbrauchtes Gesicht. Im Gegenteil: Der ehemalige Europa-Chef des US-Autobauers ist ein für die von Controllern geprägte GM-Kultur typischer Zahlenmann, der in führenden Positionen Wagoners Kurs exekutiert hat, seit einem Jahr als mächtiger Kronprinz im Tagesgeschäft.

Statt sich auf vorhandenes Personal an der Spitze zu verlassen, muss die Politik einen klaren Schnitt setzen, um aus der Rolle des ohnmächtigen Geldgebers auszubrechen. Henderson ist Teil der von den Steuerzahlern in den USA jetzt teuer bezahlten GM-Hybris, die Kunden würden sich schon in die verqueren Strategien des Konzerns finden. Die Automanager haben aus Furcht vor den Folgen drastischer Einschnitte eine kaum zu stoppende Rabattschlacht entfesselt.

Wagoners Abgang befördert die vorösterliche Hoffnung auf das Opel-Wunder. Dem als "eiserner Fritz" geltenden Henderson wäre mancher Patzer nicht passiert. Im Umgang mit der Öffentlichkeit ist er verbindlicher. Aus seiner Zeit als Europa-Chef in Zürich bringt Henderson größeres Verständnis für die Belange von Opel auf. Mit seinem Nachfolger Carl-Peter Forster, dem Ansprechpartner der deutschen Politik, verbindet ihn ein vertrauensvolles Verhältnis.

Doch die scheinbar schönen Töchter in der Ferne einfach in die Freiheit entlassen kann der neue Konzernchef nicht. Hoffnungsträger Henderson wird von der amerikanischen Öffentlichkeit daran gemessen, ob er zum Totengräber oder Retter der Arbeitsplätze bei GM wird - zu Hause, nicht in Übersee.

Feuerwehrmann Obama wird derzeit klar, was es wirklich bedeutet, sich die Verantwortung für den Fortbestand eines nahezu abgebrannten Konzerns aufzuladen. Und er zieht die Zügel an. Sein Beispiel sollte den deutschen Politikern eine Mahnung sein. Erst ist eine begrenzte Bürgschaft gefragt, dann direkte Staatshilfe und bald immer mehr. Dabei ist die Frage nach weiteren Milliardenhilfen nicht einmal der kniffligste Teil des Unterfangens. Es ist kaum vorstellbar, woher die jahrelang versagenden Autobosse ein tragfähiges Zukunftskonzept nehmen wollen - egal, ob bei Chrysler oder bei GM.

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