Georgien
Im geopolitischen Spiel

Als ob der Kreml nur darauf gewartet hätte: Mit voller Wucht holt Russland nun zu einem Schlag gegen Georgien aus.

Die Unterbrechung der Verkehrsverbindungen sowie der angepeilte Stopp von Geldtransfers dürften das kleine Land hart treffen. Trotz eines ansehnlichen Wachstums leben viele Bürger in Armut, sind auf Geld von Angehörigen angewiesen, die in Russland als Gastarbeiter leben.

Dramatischer ist allerdings, dass der Westen offenbar nicht in der Lage ist, der täglich zunehmenden Eskalation zwischen Russland und Georgien entgegenzuwirken. Die US-Administration scheint entschlossen zu sein, im Fall Georgien die Konfrontation mit Russland zu wagen und dem Land eine echte Nato-Perspektive zu bieten, obwohl es nicht über sichere Grenzen verfügt und obwohl sein Präsident einen zunehmend autoritären Regierungsstil pflegt – willkürliche Verhaftungen von Gegnern eingeschlossen.

Das kleine Kaukasusland ist zu einem Mosaikstein im geopolitischen Spiel geworden: US-Militärberater befinden sich in Georgien, das nach dem Bau der Öl-Pipeline von Baku nach Ceyhan auch seinen Platz auf der energiepolitischen Weltkarte gefunden hat. Dem georgischen Präsidenten gibt dies Rückendeckung für seine politischen Ziele. Ob dazu auch die dauerhafte Verständigung mit dem größten und wichtigsten Nachbarn Russland zählt, ist inzwischen fraglich.

Der Kreml hat nun gezeigt, dass er dies nicht akzeptieren will. Die russische Politik im Kaukasus ist keinesfalls schlüssig: Auf der einen Seite unterstützt Moskau Separatisten wie in Abchasien und kämpft andererseits mit allen Mitteln gegen Unabhängigkeitsbestrebungen wie in Tschetschenien. Der Westen sollte daher tunlichst vermeiden, Partei zu sein: Dies würde nur die Lunte an eine neue Bombe im Kaukasus legen.

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