Glitzerstaat am Ende
Dubai fällt seinen Ambitionen zum Opfer

Dubai ist überschuldet. Das Emirat droht den Kredit bei seinen Investoren zu verspielen. Jetzt muss es umdenken. Solidität statt Glitzereffekt muss das Leitmotiv der Zukunft werden.
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Lange hat Dubais Herrscher Scheich Mohammed bin Raschid al Maktoum ein großes Rad gedreht. Aus dem Wüstensand wollte er ein globales Handels-, Finanz- und Tourismuszentrum stampfen. Dafür waren ihm viele Mittel recht, dafür hat sich Dubai über alle Maßen verschuldet. Nun wird der Emir von den Nachwehen der Finanzkrise kalt erwischt. Der Staatskonzern Dubai World und seine Tochter Nakheel sind klamm, können ihre Gläubiger nicht mehr bedienen. Platzen jetzt die hochfahrenden Träume am Golf?

Die Träume wohl, aber Dubai hat eine stabile staatliche Rückversicherung: Abu Dhabi. Im Gegensatz zum kleinen Emirat verfügt der Leitwolf unter den sieben Vereinigten Arabischen Emiraten über genügend Liquidität. In Abu Dhabi sprudeln die Ölquellen weiterhin, in Dubai kaum noch. Dubai wird jetzt erneut umdenken müssen.

Das Emirat ist Opfer seiner überaus ehrgeizigen Ambitionen geworden. Jahrelang verkauften sich die märchenhaften Immobilienprojekte noch lange bevor die ersten Betonpfeiler in den Wüstensand gerammt wurden. Wer kennt sie nicht, die Bilder von spektakulären Palmeninseln, vom höchsten Gebäude der Welt, von sagenhaften Themenparks? Doch in der Finanzkrise lernen auch Millionäre rechnen, die Villen und Appartements ließen sich nicht mehr so leicht verkaufen, Pläne für einen Promi-Turm von Donald Trump wurden auf Eis gelegt. Die Krise hat schonungslos aufgedeckt, dass Dubais Emir seine Träume nicht nur auf Sand baut, sondern größtenteils auch auf Pump finanziert. Nun werden Kredite fällig, die Dubai World in Nöte bringen. Mit 80 Mrd. Dollar steht das Emirat inzwischen in der Kreide. Für eine Land, das internationales Finanzzentrum werden will ist das keine Empfehlung

Die Probleme Dubais sind nicht ganz neu. Überraschend ist aber, dass der Offenbarungseid jetzt erfolgt, nachdem der Emir erst vor wenigen Tage auf einer Investorenkonferenz die Skeptiker zu beruhigen versucht hat. Dubai schien den Weg aus der Krise schon gefunden haben, auch dank der Kapitalspritzen aus Abu Dhabi. Allerdings haben die kühler kalkulierenden Emire dort wohl schon länger den Verdacht, dass es mit den Rechenkünsten in der Boomtown Dubai nicht zum allerbesten steht. Die Staatsbanken haben Dubai jedenfalls nur die Hälfte der gewünschten Notkredite bewilligt.

Scheich Mohammed mag es leugnen, aber zwischen den beiden Emiraten stimmt die Chemie schon länger nicht mehr. Zwar kann sich Abu Dhabi einen Kollaps Dubais keineswegs leisten und wird daher weitere Petrodollars nachschießen, sollte das Vertrauen der internationalen Investoren in Dubais Finanzkraft tatsächlich schwinden. Aber zunächst einmal hat das größere Emirat dem kleinen Bruder gezeigt, was es von der Schein- und Glitzerwelt wirklich hält: nicht allzuviel.

Geschwiegen haben die Herrscher Abu Dhabis nur solange, wie das Modell funktionierte. Schließlich schwemmten die Petrodollars viele Milliarden Dollar an den Golf. Und von Dubai ging das Signal aus, dass die arabischen Nationen doch nicht so verkrustet sind, dass moderne, liberal denkende Araber Bewegung in erstarrte Gesellschaftsstrukturen bringen können. Junge Manager und Banker pilgerten aus aller Welt zu Zigtausenden an den Golf. Dubai war der große Hype der letzten zehn Jahre.

Vom Hype aber ließen sich die Scheichs in Abu Dhabi so schnell nicht anstecken. Sie setzten stattdessen auf Nachhaltigkeit. Während in Dubai Prachtboulevards, Megahotels und Palmeninseln entstanden, planten die Familienclans beim Nachbarn die emissionsfreie Stadt der Zukunft, Masdar. Die Ökotown soll das Paradebeispiel für energiebewusstes Wohnen und Arbeiten werden, ein Showcase für die Modernisierung.

Das Grundkonzept stimmt in beiden Emiraten: Während Dubai auf den Glitzereffekt vertraute, dachten die Planer in Abu Dhabi in altmodischeren, energiepolitischen Dimensionen. Beiden war jedenfalls klar: Bevor das Öl versiegt, müssen die Golfstaaten eine neue Existenzgrundlage geschaffen haben. Finanzen, Handel und Tourismus bleiben für Dubai daher ein unverzichtbares Fundament für die Erneuerung.

Allerdings müssen die Macher – und Pferdenarren – Dubais nun von ihrem hohen Ross absteigen. Investoren werden künftig kritischer als bisher die Blaupausen der Staatsholdings durchleuchten. Nicht jedes Projekt wird sich mehr im blinden Vertrauen auf den Höhenflug des Emirats realisieren lassen. Und arabisches Kapital dürfte nun wohl nicht mehr so reichhaltig in ausländische Beteiligungen fließen, sondern auch zum Bail-out von Dubai verwendet werden.

Das Schicksal Argentiniens bleibt Dubai aber erspart. Dafür sind die Reserven der VAE einfach zu groß. Und zu groß dürfte auch die Furcht der Emiratis sein, sich selbst zu schaden, indem man Dubai ausbluten lässt. Zwar dürfte Dubai World nicht der letzte Konzern sein, der in finanzielle Turbulenzen gerät. Aber bevor das Kartenhaus Dubai kollabiert, wird Abu Dhabi seine Schatullen öffnen. Der Preis dafür wird allerdings hoch sein. Dubai wird künftig von Abu Dhabi an strafferen Zügel geführt werden.

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  • Danke für den interessanten Artikel. Mit einem Detail bin ich nicht einverstanden: eine emissionsfreie Stadt zu bauen finde ich nicht altmodisch, ganz im Gegenteil!

  • Guten Tag,.......Waere ich der " Emil " von Dubai; ich wuerde Waffen kaufen, nur Waffen und bunker bauen. Anstelle 800 Meter hoch; 800 Meter tief. Schauen Sie mal auf die Landkarte. bei der Nachbarschaft braucht mann keine 7 Sterne Hotels. Geschweige denn kuenstliche inseln. Die politische Lage bei diesen " Prinzen Koenigen und Sultaninen ist so brisant dass das Oel sich fast von alleine entzuendet. besten Dank

  • @Gb: So man denn das Öl in nöchster Zukunft noch in den bisherigen Mengen benötigt.
    Wenn die Scheichs es nicht schaffen hier binnen weniger Jahre auf alternative Energiequellen (Stichwort: Sonnenenergie aus der Wüste) umzusatteln dann ist Schicht im Schacht, wie die Malocher aus dem Ruhrpott zu sagen pflegten.
    Erstaunlich ist nur daß die Presse, sog. "Kommentatoren", "Experten" und wie die ganze "Fachleute" so heißen es erst jetzt merken was der gesunde Mengenverstand schon seit langem nicht nur suggerierte: Der ganze Reichtum da unten ist auf Sand gebaut. Nur, wozu brauchen wir die dann die selbsternannten besserwisser noch? Um zu "kompetent" zu erfahren was die "Spatzen längst von Dächern pfeifen"?

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