Golfstaaten
Was die Araber wollen

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Sie arbeiten diskret, sie lassen sich nicht in die Karten schauen, und sie haben feste Ziele vor Augen. Je mehr Petrodollar die Staaten am Persischen Golf reinvestieren, desto stärker wächst ihre Macht – und das beileibe nicht nur an den Ölmärkten.

Arabische Investoren verfügen über geradezu märchenhafte Vermögen. Kein Wunder, dass jede der strategischen Anlage-Entscheidungen ihrer Staatsfonds im Ausland mit einer Mischung aus Skepsis und Argwohn begleitet wird. Denn sie verfügen über eine gewaltige Finanzkraft, die Märkte nachhaltig bewegen kann.

Für eine Dämonisierung der Araber gibt es jedoch keinen begründeten Anlass. Ihre staatlichen Fonds gehen nach streng ökonomischen Kriterien vor. Das trifft für die Kapitalspritze von 7,5 Milliarden Dollar, die das Emirat Abu Dhabi jetzt in den angeschlagenen Bankenriesen Citigroup injiziert hat, ebenso zu wie für die Investments Dubais bei Sony, bei EADS oder bei der Deutschen Bank. Rendite, Diversifizierung und der Aufbau strategischer Netzwerke, das sind die wirtschaftlichen Ziele der Golfstaaten.

Der sprunghaft gestiegene Ölpreis beschert den Arabern am Golf aber noch eine andere Chance. Wie nie zuvor können sie jetzt für die Zeit nach dem schwarzen Gold vorsorgen. Und genau das haben die meisten Herrscher langfristig vor. Rendite ist dabei allenfalls das Mittel zum Zweck, denn mit den Erträgen aus den Petrodollar legen die Scheichs die Fundamente für ihre Zukunft.

Nicht alle verfolgen diesen Weg so spektakulär und so zielstrebig wie das Emirat Dubai, wo das Öl nur noch wenige Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt ausmacht. Doch ausweichen kann kein Golfstaat der Frage, womit die kommenden Generationen ihre Einkommen bestreiten sollen. Und so strecken sie ihre Fühler in alle Welt aus. Nicht immer mit Erfolg, wie der Hafenbetreiber DP World aus Dubai in den USA erfahren musste.

Das Misstrauen gegenüber Arabern sitzt in Washington besonders tief. Doch bislang gibt es keinen Beleg für die Vermutung, ihre Investitionsentscheidungen würden von der Absicht getrieben, beherrschenden politischen Einfluss im Ausland zu erlangen. Aber ein politischer Kern steckt schon in ihren Investitionen. Die Vorausschauenden unter den Scheichs verknüpfen die Renditen mit einer klaren Vision. Ihnen schwebt die Entwicklung eines modernen, weltoffenen Arabiens vor, dessen Ruf nicht von Terror und Gewalt, sondern von seiner Rolle als Drehscheibe für Handel, Finanzen und Kultur geprägt wird. Das ist ein Jahrhundertprojekt, das tiefgreifende Veränderungen in allen arabischen Gesellschaften bewirken kann.

In Dubai ist vor fast drei Jahrzehnten der Startschuss für diese Modernisierung gefallen. Die Botschaft ist längst bei aufgeschlossenen Nachwuchspolitikern und Managern selbst in traditionellen Gesellschaften wie Saudi-Arabien angekommen. Hier – und nicht im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern – entscheidet sich die Zukunft der arabischen Welt.

Daher setzen die arabischen Investoren ihre Milliarden verantwortungsbewusst ein. Denn mit falschen Investments riskieren die Golfstaaten ihr Megaprojekt. Und deswegen ist Angst vor den Aktivitäten der arabischen Staatsfonds in Europa und in den USA auch ziemlich unbegründet.

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