Google
Kommentar: Gewagter Schritt

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Google war einmal eine Suchmaschine für das Internet. Nicht mehr und nicht weniger. Und Google war neutral. Schließlich hatte man nichts selber besessen, sondern nur getreulich darauf verwiesen, was das Web so an Informationen zu bieten hat. Bis heute. Denn mit „Knol“, der angekündigten Google-eigenen Online-Enzyklopädie, erschließt das Unternehmen eine neue Dimension. Google will in Zukunft beides liefern: die Suchmaschine und das passende Ergebnis gleich mit.

Aus kommerzieller Sicht ein logischer Schritt für das andere Google, das Google der Internetwerbung, die Gelddruckmaschine, deren Börsenwert bei über 200 Milliarden Dollar liegt. Denn die Suchseite ist nur der Beginn der Reise durch den Cyberspace. Es nutzt Google wenig, wenn die Seiten, die der Surfer ansteuert, mit fremder Werbung voll gestopft sind. Oder gar keine Werbung haben wie Wikipedia, deren Seiten regelmäßig die besten Positionen der werberelevanten Trefferlisten verstopfen. Da ist die Verlockung groß, diese Pole-Position zum Start ins Web unter Kontrolle zu bekommen. Also konstruiert Google das „bessere Wikipedia“ und hofft, dass es so auf den Suchseiten als Top-Treffer auftaucht.

Aber wird hier wirklich mit fairen Mitteln gekämpft, wenn einer der Kämpfer die Zusammensetzung des Index und die Gewichtung darin bestimmen kann? Wir können es derzeit nur hoffen, auf Googles Zusagen vertrauen – und aufpassen, dass Google nicht doch mal einen Schritt zu weit geht. Bei Banken sind „Chinese Walls“ heute selbstverständlich. Sie verhindern, dass Wertpapieranalysten und Handelsabteilungen zu eng – zum eigenen Nutzen und zum Schaden anderer – zusammenarbeiten können. Vielleicht sollte man bei Google solch eine Trennung zwischen Suchmaschine und Werbevertrieb auch einrichten. Nur so zur Vorsicht.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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