Grünen-Spitzenpolitiker
„Jamaika“ könnte Joschka locken

Eine Koalition von Union, FDP und Grünen würde personelle Rochaden beim Spitzenpersonal der Grünen unausweichlich machen. Die Politologen Jürgen Falter und Markus Klein haben durchgespielt, wer was würde in "Jamaika". Ihre Vermutung: Joschka Fischer bliebe Minister, Jürgen Trittin müsste weichen.

HB DÜSSELDORF. Jürgen W. Falter ist Professor an der Universität Mainz, Markus Klein lehrt an der Uni Köln. Gemeinsam haben sie 2003 das Buch "Der lange Weg der Grünen. Eine Partei zwischen Protest und Regierung" geschrieben. Beide halten eine schwarz-gelb-grüne Koalition zwar für unwahrscheinlich und prognostizieren eine große Koalition. Ungeachtet dessen denken Falter und Klein voraus und weisen Spitzenpolitikern der Grünen eine mögliche Rolle in "Jamaika" zu.

Joschka Fischer: Trotz seines Neins am Wahlabend zu einem Ministerposten in einem Kabinett Merkel gehen sowohl Falter als auch Klein davon aus, dass Fischer auch einem schwarz-gelb-grünen Kabinett angehören würde. "Vor der Wahl und am Wahltag wird viel geredet, und seinen Rückzug in der Fraktion hat Fischer auch ein Stück weit inszeniert", merkt Klein an. Er hält es für möglich, dass Fischer künftig das Umweltministerium führt - diese Funktion hatte er als "Turnschuh-Minister" bereits in den 80-er Jahren in Hessen inne. Falter rechnet sogar damit, dass Fischer Außenminister bleibt.

Jürgen Trittin dürfte sein Amt als Bundesumweltminister nach Ansicht von Falter und Klein wohl loswerden - zu stark sei der Gegensatz zu Union und FDP, die ihn bisher als ihren Lieblingsfeind bekämpft hatten. Beide Wissenschaftler halten Trittin indes für einen "heißen Kandidaten" für das Amt des Fraktionsvorsitzenden, um das sich der 51-Jährige auch bewirbt. "Er ist in der Fraktion hoch angesehen und könnte den inneren Zusammenhalt bei den Grünen stärken", merkt Klein an. Falter sieht noch eine andere Möglichkeit: Trittin könnte Nachfolger von Klaus Töpfer als Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi werden, der in wenigen Monaten aus dem Amt scheidet.

Renate Künast: Sie dürfte den Chefposten im Verbraucherschutzministerium wohl behalten, vermuten Falter und Klein. "Sie hat eine hohe Reputation und ihr Ministerium im Griff, außerdem ist ihr eine gewisse öffentliche Sichtbarkeit zu attestieren", merkt Klein an. Sein Kollege Falter erwartet allerdings, dass Union und FDP ihr die Zuständigkeit für die Landwirtschaftspolitik abnehmen würden. Ihr Ministerium würde aufgespalten werden müssen. Auch Künast kandidiert zunächst für das Amt der Fraktionsvorsitzenden.

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