Handel
Notwendiger Balanceakt

Es dürfte eine lebendige Debatte werden, die EU-Handelskommissar Peter Mandelson da gestern losgetreten hat.

Wie viel Liberalität kann sich Europa leisten? lautet seine Frage an Industrie und Handel. Auf die Flut von Billigtextilien und -schuhen aus China und Vietnam hatte die EU bislang mit Strafzöllen reagiert – zur Freude von Unternehmen, die ihre Existenz in Europa bedroht sehen, aber zum Ärger von Handel und Verbrauchern, die sich in ihren Interessen benachteiligt fühlen. Jetzt stellt die EU ihre Politik auf den Prüfstand, und das ist gut so.

In Zeiten der Globalisierung fällt es immer schwerer zu entscheiden, welcher Region ein Produkt zuzuordnen ist. Viele Waren werden in der EU entwickelt, aber in Asien produziert und dann nach Europa exportiert. Die Schwemme aus Asien ist daher zum großen Teil hausgemacht. Wer sich darüber beschwert, blendet aus, dass Adidas-Schuhe oder H&M-T-Shirts wohl kaum zum gleichen Preis in gleicher Menge abgesetzt werden könnten, würden sie in Europa produziert. Den durch die Globalisierung ausgelösten Wandel für Produktion und Arbeit durch künstliche Eingriffe in den Markt zu bremsen führt jedoch in die Irre. Letztlich muss der Markt über Angebot und Nachfrage entscheiden.

Das hat wohl auch Mandelson im Sinn. Seine Initiative ist mutig, denn sie fällt in eine Zeit, in der die protektionistische Stimmung in den Industrieländern spürbar zugenommen hat. Gewiss muss unfairen Handelspraktiken ein Riegel vorgeschoben werden. Dafür sind Antidumpingregeln vorhanden. Jetzt haben Produzenten und Handel jedenfalls die Chance, an einer Entwicklung einer marktwirtschaftlichen Ordnung mitzuwirken. Die sollten sie nutzen. Dann kann sich keiner mehr beschweren, von der Regelungswut Brüsseler Bürokraten überfahren worden zu sein.

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