Hollywood
Der große Bluff

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Der gerissene Chef des amerikanischen Fernsehkonzerns CBS, Leslie Moonves, jubelt über das Ende des 100-tägigen Streiks der Drehbuchautoren in Hollywood. Das ist kein Wunder, denn die Filmtöchter der großen US-Medienkonzerne haben die dreimonatige Arbeitsniederlegung für sich entschieden. Den Autoren bleiben nur die Krümel am reich gedeckten Tisch der Film- und Rechteverwertung im Internet.

Der neue Vertrag mit den Drehbuchautoren sieht vor, dass die Kreativen aus der Online-Wiederverwertung ihrer Filme und Serien einen Pauschalbetrag von bis zu 1200 Dollar in den ersten beiden Jahren erhalten. Im dritten Jahr werden sie dann mit zwei Prozent an den Vertriebserlösen beteiligt.

Das schlechte Verhandlungsergebnis für die Autoren ist eigentlich nicht überraschend. Denn der Streik erwies sich als der große Bluff. Die Fernsehsender haben auch ohne den kreativen Input der Autoren keine existenzgefährdenden Schäden genommen. Mit Wiederholungen, zusätzlichen Programmimporten und neuen Reality-Shows sind die Konzerne gut über die Runden gekommen. Zudem haben die Autoren mit Einzelvereinbarungen, beispielsweise mit dem Kult-Talkmaster David Letterman, ihre eigene Verhandlungsposition geschwächt.

Die Kehrtwende bei der Rechteverwertung im digitalen Zeitalter ist ausgeblieben. Die Studios haben den Autoren nur geringe Tantiemen zugebilligt, die längst überfällig gewesen waren. Die Kreativen werden daher auch weiterhin in Hollywood am Katzentisch sitzen. Die Studios können sich unterdessen entspannt zurücklehnen. Denn im stillen Kämmerlein haben die Autoren gar nicht gestreikt, sondern fleißig an neuen Filmen gewerkelt. Das ist in Hollywood ein offenes Geheimnis.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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