Hypo Real Estate
Gefundenes Fressen

  • 0

Die Finanzmarktkommunikation hat sich für Unternehmen und ihre Vorstände zu einer heiklen Angelegenheit entwickelt. Ein falsches Wort, und der Aktienkurs rauscht in die Tiefe. Eine unterschlagene Information, und es drohen Schadensersatzklagen enttäuschter Anleger. Auch die Staatsanwaltschaften stehen schnell vor der Tür. Das bekam jetzt auch das Management der Hypo Real Estate zu spüren. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren wegen des Kursrutsches der Aktie Anfang des Jahres. Verstärkter Anlegerschutz ist erst einmal eine gute Sache, auch wenn einige neue Instrumente ihre Praxistauglichkeit noch beweisen müssen. Das höhere persönliche Risiko sollen die Vorstandschefs ruhig in Kauf nehmen in Zeiten, in denen auch die Entlohnung üppiger ausfällt.

Es war abzusehen, dass auch der Fall Hypo Real Estate schnell Anwälte und Ermittler auf den Plan rufen könnte. Schließlich hatte das Management der Bank lange den Eindruck erweckt, die Bank sei von der Subprime-Krise kaum betroffen. Die Nachricht von fast 400 Millionen Euro Belastungen schockierte dann die Märkte. Die Hypo-Real-Estate-Aktie stürzte um mehr als 30 Prozent in die Tiefe, zwei Milliarden Euro Börsenwert waren vernichtet.

Für die spezialisierten Anwälte ist so etwas ein gefundenes Fressen. Ob das Management der Hypo Real Estate je strafrechtlich belangt wird oder einfach nur ungeschickt kommuniziert hat, muss sich zeigen. Der Staatsanwaltschaft bleibt nach Strafanzeigen –ist der Vorwurf nicht total absurd – nicht viel übrig, als ein Verfahren zu eröffnen. So hat die Gegenseite schnell eine öffentlichkeitswirksame Meldung. Die Aktionäre aber können bald ohnehin ihr eigenes Urteil sprechen: Ende Mai auf der Hauptversammlung.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

Kommentare zu " Hypo Real Estate: Gefundenes Fressen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%