Hypo-Vereinsbank
Mit vollem Risiko

Dass dem privaten Bankgewerbe auch hier zu Lande die große Konsolidierungswelle bevorstehe, darüber wird seit Jahren schon geredet. Geschehen ist wenig, mit einer einzigen großen Ausnahme. Und die ist symptomatisch.

Im Falle der Münchener Hypo-Vereinsbank ist ein italienischer Bankkonzern in die Offensive gegangen. Unicredit ist dabei mehr als nur eine europäische Großbank, es ist eine Art Programm: Unter der demonstrativ zielorientierten Führung Alessandro Profumos haben die Mailänder in den vergangenen Jahren eine Integrationskultur entwickelt, die natürlich auch Opfer kostet, deren Tempo und Systematik aber derart beeindruckt, dass man nach gut einem Jahr der Fusion mit Recht fragen muss, was das für die gute alte HVB als eigenständige Konzerneinheit bedeutet.

Vor wenigen Tagen hat Unicredit in München Klartext geredet. Erstmals veranstaltete die Unicredit ihren „Capital Markets Day“ vor Analysten und Journalisten in der ehemaligen Konzernzentrale der HVB. Das war eine Demonstration der Stärke, hier entfalteten die Italiener ihr Panorama eines europäischen Konzerns, in dem die HVB nur noch eine, wenn auch bedeutende Nebenrolle spielen wird. Dies alles freilich nur unter der Voraussetzung, dass die Münchener die Ziele erreichen, die ihnen Profumo gesetzt hat. Und diese Vorgabe ist weit mehr als Management-Alltag. Profumos Ziele haben es in sich, das hat er mehr als ein mal demonstriert. Sollte das deutsche Management die gesetzten Größen bis 2008 nicht erreichen, dann dürfte es für die betroffen Herren und ihre Geschäftszweige äußerst eng werden. Es ist ohnehin unklar, warum die HVB auf Dauer eine Art deutscher Unterkonzern innerhalb Unicredit mit sage und schreibe zehn Vorständen bilden soll.

Wie auch immer, auf 17 Prozent soll die Eigenkapitalrendite der von einer europäischen Großbank auf deutsches Regionalformat gestutzten HVB bis 2008 steigen. Nach dem ersten Quartal 2006 scheint die Hürde so hoch nicht zu liegen – genau diese Zielgröße hatte die HVB bis Ende März schon erreicht. Tatsächlich aber sind die Zahlen aus Q 1 fast zu schön, um wahr zu sein, Ergebnis vor allem eines außerordentlichen Handelsergebnisses. Oft genug hat die HVB seither erklären lassen, man dürfe das nicht aufs Gesamtjahr hochrechnen. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 brachte es das Geldhaus in seinem deutschen Geschäft auf knappe fünf Prozent Rendite aufs eingesetzte Kapital. Schaut man ins Privatkundengeschäft, dann haben die Italiener die ganze bisherige Misere der HVB offenkundig gemacht: 264 Millionen Euro Verlust blieben im Retailgeschäft der HVB im vorigen Jahr hängen.

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