IBM will einsteigen
Schatten über Sun

Das Internet frisst seine Kinder. Technologie-Großvater IBM wird laut Medienberichten für rund 6,5 Mrd. Dollar Sun übernehmen. Damit würde ein Unternehmen geschluckt, das noch in der ersten Dot.Com-Welle in den 1990erJahren die Computer an die Start-Up-Firmen im Silicon Valley geliefert und die Programmiersprache „Java“ erfunden hat.
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Das Internet frisst seine Kinder. Technologie-Großvater IBM wird laut Medienberichten für rund 6,5 Mrd. Dollar Sun übernehmen. Damit würde ein Unternehmen geschluckt, das noch in der ersten Dot.Com-Welle in den 1990erJahren die Computer an die Start-Up-Firmen im Silicon Valley geliefert und die Programmiersprache „Java“ erfunden hat. Doch längst sind dunkle Wolken aufgezogen und Sun hat den Technologiewettlauf verloren: Rang vier auf dem Servermarkt – hinter IBM, HP oder Dell. Außerdem schreibt Sun rote Zahlen. Warum wagt IBM dennoch mitten in der Wirtschaftskrise die größte Akquisition der Firmengeschichte?

Die Servertechnologie ist für IBM uninteressant: Die Sun-eigenen Sparc-Prozessoren oder das Betriebsystem Solaris haben kaum eine Zukunft. Aber Sun hat viele Kunden, die diese Technologie verwenden, darunter multinationale Unternehmen. Diese Konzerne müssen ihre gewaltigen Infrastrukturen in das Internet-Zeitalter überführen. Sie werden ihre IT-System direkt ins Internet („Cloud“) verlagern, offene Systeme wie Linux wählen – oder zu Microsoft wechseln. Kurz: Es lockt ein Milliarden-Dollar-Markt für Hard- und Software und vor allem für Dienstleistungen.

IBM hat als Open-Source-Verfechter ohnehin gute Chancen, diese lukrativen Aufträge zu erhalten. Erst recht, wenn IBM-Sun bald in den Firmen ohnehin ein und aus geht. Dass der Serverhersteller durch die Übernahme zudem seine Marktführerschaft ausbauen würde, ist eher ein Nebeneffekt – wenn auch ein extrem angenehmer.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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